Bulle & Bär: Die Analysten liegen richtig - nur zu früh

Bulle & Bär
Die Analysten liegen richtig - nur zu früh

Die Prognosen der Analysten haben sich nach nur fünf Wochen erfüllt. Doch was machen wir nun in den mehr als zehn Monaten, die von diesem Jahr noch übrig sind?
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FrankfurtAktienstrategen haben es nicht leicht. Dass die Börsen jemals das tun, was sie prophezeien, passiert ungefähr so oft wie Schnee an Ostern. Den gibt es, er ist aber relativ selten, könnte man sagen. Um wieder auf die Strategen zurückzukommen: Ob es am Ende Zufall, Glück oder tatsächlich eine große Prognoseleistung war, wenn sie mal richtigliegen, ist dann eigentlich auch schon egal.

Vom heutigen Rosenmontag mal abgesehen, haben die meisten von ihnen in diesen Tagen im Februar ein großes Problem: Ihre Prognosen, die sie noch vor Weihnachten für das Jahresende 2012 abgegeben haben, waren schon nach fünf Wochen erreicht. Seither tritt man mehr oder weniger auf der Stelle. Die entscheidende Frage ist nun: Was machen wir jetzt in den mehr als zehn Monaten, die von diesem Jahr noch übrig sind?

Jetzt gleich die Prognosen weiter nach oben zu schrauben, sähe blöd aus. Unweigerlich müsste man sich fragen lassen, warum dies nicht vor zwei Monaten zu sehen war. Und vor allem: Was hat sich seither Bahnbrechendes geändert, dass man das damals nicht sehen konnte? Die Laune, die jetzt landauf, landab als Indikator für den kräftig steigenden Dax angeführt wird, war schließlich vor Weihnachten auch gut. Sonst hätten die Leute nicht eingekauft wie selten zuvor.

Die offizielle Lesart der Experten lautet jetzt, es werde mit starken Schwankungen in diesem Jahr weitergehen. Um die Dimensionen darzustellen, wählt man eine Bandbreite von 5000 bis 7500 Punkten im Dax. Damit liegt man in der Regel nie verkehrt. Und wenn es außerhalb dieser Marken gehen sollte, dann sind dafür ohnehin ungewöhnliche Gründe verantwortlich, die für uns alle plötzlich und unerwartet kommen würden.

Das Ganze hat aber noch eine andere Dimension. Weiterhin sind viele an der Börse durch die immense Wucht des Börsenbebens in den Jahren 2007 bis 2009 so verunsichert, dass ihnen jeglicher Überschwang suspekt erscheint. Das gilt speziell für die volkswirtschaftlichen Abteilungen, wo es noch immer genügend Experten gibt, die Wörter wie „Rezession“, „Deflation“ oder „unkontrollierte Staatspleiten“ in den Mund nehmen, wenn sie über die nächsten Monate reden. Das sagen sie seit mehr als einem halben Jahr und ihr Einfluss ist zweifellos geringer geworden. Aber er ist trotzdem weiter da, was sich gerade jetzt wieder zeigt. „Angst vor der eigenen Courage“ nennt man das im Volksmund.

Richtig spannend wird es erst, wenn der Dax - auch angetrieben vom Milliardensegen der EZB - die 7000er-Marke deutlich überschreitet. Dann

sind nahezu alle Prognosen Makulatur. Dann muss man endlich Klartext reden.

Kommentare zu " Bulle & Bär: Die Analysten liegen richtig - nur zu früh"

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  • Prognosen waren zu allen Zeiten schwierig, besonders wenn es um die Zukunft geht! :-)

  • Prognosen sind meiner Meinung dafür da, damit sich Neulinge an der Börse sicherer fühlen. Wer vernetzt denken kann, braucht solche "Werkzeuge" nicht.

  • Ich kann dieses Analysten - Gerede nicht mehr hören. Ich verfolge täglich die HP der Frankfurter Börse. Was da Analysten Anfang des Jahres abgeliefert haben... 6- . Würde der Rest der Welt so arbeiten wie diese Herrn, dann wären wir aus dem Neandertal niemals raus gekommen.

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