Bulle & Bär: Die Bären-Position
Schlechte Aussichten für Bonds

Anleihen sind etwas für Witwen und Waisen. Die Papiere sind sicher, jedes Jahr gibt’s den Kupon, und das Anfangskapital wird am Laufzeitende zurückgezahlt. Jetzt ist Schluss mit dem Witwen-Image früherer Zeiten – denn Bill Gross hat zugeschlagen.

FRANKFURT. Der Bond-Guru der US-Anlagefirma Pimco rief vergangenen Donnerstag das Ende der Anleihenhausse aus. Seine Prognose: In fünf Jahren steigt die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe auf bis zu 6,5 Prozent.

Die Verbalattacke verursachte ein mittleres Erdbeben an den Anleihemärkten und ließ die Effektivverzinsungen durch die Decke schießen. Deutsche Staatstitel erreichten über 4,6 Prozent, amerikanische sprangen auf 5,2 Prozent. Bis vor kurzem war die Bond-Welt noch in Ordnung. Experten malten eine Konjukturabschwächung in den USA an die Wand, was die Kurse sicher weiter beflügelt, entsprechend die Renditen gedrückt hätte.

Nach den letzten Wirtschaftsdaten sieht es für Festverzinsliche noch schlechter aus. Die Ökonomien brummen, gleichzeitig grummelt es an der Inflationsfront. In diesem Zangenangriff sinken die Chancen für Leitzins- und Renditesenkungen Richtung Null. Bondbesitzer können sogar über Teilverkäufe ihrer Bestande nachdenken – die im Übrigen nichts anderes sind als Schulden Dritter.

Eine neue historische Bondhausse scheint in weite Ferne gerückt. Anfang der achtziger Jahre hatten die Zinsen, getrieben von hoher Inflation, Top-Stände erreicht. Deutsche und amerikanische zehnjährige Anleihen warfen knapp elf bzw. fast 16 Prozent ab. Dann fuhren die Renditen zu Tal. Vor wenigen Jahren erreichten sie ihre Tiefststände in Deutschland und USA bei etwas über drei Prozent.

Nach den jüngsten Renditesprüngen sehen Charttechniker für Bond-Kurse schwarz. Sie haben nicht nur die Legende Bill Gross auf ihrer Seite. Zu denken gibt auch die jüngste Umfrage von JP Morgan. Die Investmentbank registriert unter ihren Kunden den stärksten Anleihe-Optimismus seit annähernd fünf Jahren. Und Märkte kippen am ehesten zu Zeiten der größten Euphorie.

» Die Gegenposition von Andrea Cünnen „Die Zeit für Renten ist reif“ lesen Sie hier.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%