Bulle & Bär
Die Bahn lockt Investoren

Am Sonntagmorgen um 8.29 Uhr startete die Bahn in ein neues Zeitalter. Der französische TGV raste mit 320 Sachen von Frankfurt nach Paris – neuer Rekord. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember soll sich die Reisezeit auf der prestigeträchtigen Strecke auf sagenhafte drei Stunden und 49 Minuten verkürzen. Tolles Tempo.

FRANKFURT. Erstaunlich, wie häufig jetzt das Verkehrsmittel Zug Schlagzeilen macht. Börsianer wissen, dass sich Investoren wie Bill Gates und Hedge-Fonds in jüngsten Zeit Eisenbahnen zugelegt haben. Vor kurzem stieß auch die lebende Legende Warren Buffett zum illustren Kreis. Der kauzige Milliardär aus dem verschlafenen Omaha, Nebraska, langte bei der größten nordamerikanischen Bahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe und zwei weiteren Spezialisten für den Güterverkehr auf Schienen zu.

Es muss doch etwas dran sein an dem altbackenen Fortbewegungsmittel. Hier zu Lande prägen oft noch verfallene Bahnhöfe und Gleiskörper das öffentliche Bewusstsein. In der Neuen Welt dagegen gilt die Schiene als chic. Motto: Die Bahn kommt. Buffett & Co. kommt es allerdings weniger auf Urlaubsreisende an. Sie haben den künftigen Güterverkehr im Auge.

Die amerikanischen Bahnaktien haben sich in den vergangenen Jahren vervierfacht und geben damit Signale, wohin der Zug fährt. Die Papiere sind zwar nicht mehr billig. Aber die Ökonomien brummen weltweit. Der Handel rund um den Erdball nimmt zu. Handel meint Transport. Wachstum braucht Rohstoffe, und die müssen vom Herstellungsort zu den verarbeitenden Firmen gebracht werden. Gefragt sind in Zeiten explodierender Energiepreise effiziente und Kosten sparende Transporttechniken: Das sind Argumente für den Zug und gegen die Straße.

Noch dazu kann sich die Bahn in Zeiten des Klimawandels mit dem Energiespar-Logo aufhübschen. Die globale Erwärmung ist für den Schienenverkehr ein großes Plus. Sollten die Maßnahmen gegen den Treibhauseffekt schärfer werden, könnten die Züge sogar noch schnellere Fahrt machen.

Eine Abschwächung des Wirtschaftsbooms ist nicht in Sicht. Das gilt auch für China, obwohl einige Fachleute vor einem Rückschlag warnen. Es könnte ganz anders kommen. Die Chinesen bauen gerade die längste Meeresbrücke auf dem Globus. Die Hangzhou-Bay-Bridge wird über spektakuläre 36 Kilometer eine Verbindung zwischen dem zweitgrößten Hafen und den wichtigsten Wachstumszentren des Landes schaffen.

So sichert China mit dem Bauwerk sein Wachstum für die Zukunft. Da kann Deutschland nicht mithalten – auch an der Börse nicht. Das Going Public von Mehdorns Bahn steht in den Sternen. Ein Lichtblick ist das kommende Börsendebüt der VTG in Frankfurt. Der Spediteur vermietet über 47 400 Güterwaggons. Das Geschäft boomt. Buffett lässt grüßen.

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