Bulle & Bär
Die beste Anlageberatung: Selber denken

Die wenigsten Dinge bekommt man geschenkt. Der gesunde Menschenverstand erwartet milde Gaben am wenigsten von nicht gemeinnützigen Einrichtungen wie Firmen. Vor diesem Hintergrund relativiert sich vielleicht die Empörung über das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung zum Thema Anlageberatung.

FRANKFURT. Die wenigsten Dinge bekommt man geschenkt. Der gesunde Menschenverstand erwartet milde Gaben am wenigsten von nicht gemeinnützigen Einrichtungen wie Firmen. Vor diesem Hintergrund relativiert sich vielleicht die Empörung über das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung zum Thema Anlageberatung.

Das für informierte Investoren wenig überraschende Ergebnis: Geldberater in Banken und Sparkassen machen überwiegend einen schlechten Job. Die meisten der 90 anonymen Tester, die vorgaben, bei Geldhäusern in Süddeutschland 50 000 Euro aus einer Erbschaft anlegen zu wollen, wurden unzureichend oder sogar falsch beraten, wie Bamberger Ökonomen ermittelten.

Die Erfahrungen der Tester klingen haarsträubend: Nur jeder Zweite wurde zu seinem Einkommen und seinen Renditewünschen befragt. Nach Kenntnissen über Anlagerisiken erkundigte sich fast kein Berater. Schlimmer noch: Nur in wenigen Fällen wurde das Geld sinnvoll aufgeteilt. Oft empfahlen Berater den Kunden, die 50 000 Euro komplett in einen Fonds zu stecken.

Die Studie ist mit 90 Testern im süddeutschen Raum zwar nicht repräsentativ, dennoch ist sie kein Ruhmesblatt für Banken. Schocken dürfte Anleger ein solches Ergebnis aber nicht. Sicherlich sollte jeder professionelle Bankberater Kern-Themen wie Anlageziele, Risikobereitschaft und die Einkommenssituation ansprechen. Und wer sich als Anleger übers Ohr gehauen fühlt, sollte eine Klage auf Schadensersatz wegen Falschberatung prüfen.

Aber von einer Bank eine umfassende, objektive Anlagelösung zu erwarten, ist sicherlich zu viel verlangt. Denn Bankberater verdienen – wie jeder andere Fachhändler auch – nur indirekt am Gespräch mit dem Kunden, nämlich dann, wenn dieser hinterher etwas kauft. Daher agiert auch der Anlageberater abschlussorientiert: Er sortiert die Kunden – zumindest die mit überschaubarem Vermögen – gemeinhin in ein Typenschema ein. Für jeden Typus hält das Geldhaus Produkte bereit, für deren Verkauf der Berater eben Provision bekommt.

Einen Mix dessen, was es am Markt zu kaufen gibt, erhält man meist nicht bei einem einzigen Anbieter. Das ist nicht neu. Und doch scheuen viele Deutsche in Gelddingen die Mühe, Angebote zu vergleichen. Umfragen zufolge wollen sich die meisten nicht mit dem Thema Finanzen beschäftigen. Daher wäre es am bequemsten, der Bankberater würde die ultimative Lösung anbieten.

Weil der Bankfachmann dies aber nicht macht, bleibt nur eines: Man informiert sich vor einer Bankberatung und macht sich Gedanken über Renditeziele und Risikoneigung. Laut den Bamberger Wissenschaftlern erhält man dann auch passendere Empfehlungen.

Im Übrigen ist niemand gezwungen, sein Wissen über Geldanlage bei einer Bank zu beziehen. Verbraucherzentralen und unabhängige Honorarberater bieten objektivere Beratung an. Allerdings muss der Anleger die Beratungsleistung dort direkt bezahlen.

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