Bulle & Bär
Die Börsen-Gurus gehen in Rente

Die Legenden an der Börse sind nun allesamt im Rentenalter. Warum es keine Gurus um die 40 oder 50 Jahre gibt und wo der Nachwuchs bleibt.
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FrankfurtJim Rogers wird im Herbst 70 Jahre alt, Marc Faber ist 66, Bill Gross 68, Mark Mobius 75 und Gottfried Heller 77. Die Riege derer, die in den Medien immer noch als Guru oder gar Investment-Legende gefeiert werden, ist damit allesamt im Rentenalter.

Auch wenn die Liste keinesfalls vollständig ist und noch mit etlichen Namen erweitert werden könnte, so stellt sich doch die Frage, warum es keine Gurus oder lebende Legenden um die 40 oder 50 gibt. Muss man für einen solchen Titel erst so alt werden? Behält man den auf Lebenszeit, oder kann man ihn auch wieder verlieren? Und überhaupt, wer verleiht einem den? Diese Fragen sind längst nicht geklärt.

Ein Ansatzpunkt ist sicherlich die Zeit der New Economy. In deren Boomphase wurden unzählige Jung-Gurus, wir nennen sie jetzt der Einfachheit halber mal Juniors, von findigen PR-Beratern in die Medien gespült. Weil sich aber schnell herausstellte, dass zu der Zeit jeder, der die vier Grundrechenarten halbwegs beherrschte, diesen Status erreichen konnte, gab es in der Hochphase plötzlich eine Guru-Inflation. Beinahe wöchentlich wurden neue erkoren. Am Ende war eigentlich jeder einer. Und genauso schnell war es kurz darauf keiner mehr.

Das war die Renaissance der Alt-Gurus, die in den Achtzigern und Neunzigern zu einer Zeit ihre Meriten verdient hatten, als die Kurse am Tag meist nur im Promillebereich stiegen und fielen. Die extremen Ausschläge, die Wertpapiere seit einigen Jahren zeigen, waren den Heroen von einst völlig unbekannt. Die konnten eine langfristige Strategie entwickeln, diese durchziehen und notfalls auch mal ein paar Jahre warten, bis sie tatsächlich aufging. So etwas ist heute, da Benchmark-Denken und teils extreme Schwankungen dominieren, undenkbar. Weil es vermutlich niemanden gibt, der dauerhaft hohe Renditen schafft, gibt es auch keine jungen und mittelalten Gurus.

Die Medien müssen also auf die besagten Seniors zurückgreifen, wenn sie Heroen suchen. Dort schwadronieren die dann ausgiebig zu langfristigen Strategien und berichten, warum sie schon immer alles gewusst haben. Der junge Fondsmanager, der täglich im Feuer der Märkte und seiner Investoren steht, wird darüber nur den Kopf schütteln.

Bleibt noch die Frage, warum es für Gurus und Legenden kein Rentenalter gibt. Unweigerlich fällt einem dabei der Satz von Heide Simonis ein, als sie nicht mehr zur Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein gewählt wurde. "Und was wird aus mir?" wurde damals zum geflügelten Wort.

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  • Der Herr auf dem Bild ist NICHT Jim Rogers.Wakey-wakey!

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