Bulle & Bär: Die Bullen-Position
Die Zeit für Renten ist reif

Die Bären sind los am Bondmarkt. Nach den jüngsten erneut heftigen Kursverlusten und damit Renditeanstiegen mehren sich die Stimmen, die weiter kletternde Renditen fürchten; selbst Bill Gross – legendärer Rentenfondsmanager bei Pimco – ist vom Lager der Bullen in das der Bären gewechselt.

FRANKFURT. Dabei spricht viel dafür, wieder Anleihen zu kaufen. Kurzfristig könnten die Renditen aus der aktuellen Dynamik heraus zwar noch etwas weiter steigen, aber langsam ist die Zeit reif für Renten.

Die Durststrecke bei Staatsanleihen währt schließlich schon lange. Im Euro-Raum – hier ist die zehnjährige Bundesanleihe das Maß aller Dinge – steigt die Rendite unter dem Strich seit 21 Monaten, in den USA sogar seit drei Jahren. Eine noch längere Phase mit Kursverlusten gab es zuletzt vor 26 Jahren. Zwischen 1977 und 1981 schossen die Inflationserwartungen wegen des Ölpreisschocks nach oben und belasteten die Anleihemärkte nachhaltig. Die Ängste vor einer Inflation sind aber diesmal nicht der Grund für die Renditeanstiege. Vielmehr haben die meisten Fachleute unterschätzt, wie gut sich die Konjunktur rund um den Globus entwickelt und wie deutlich die Notenbanken darauf mit Leitzinserhöhungen reagieren. Dabei setzen die meisten Fachleute darauf, dass die Notenbanken die Inflationsentwicklung durch die Zinserhöhungen im Griff haben.

Die Währungshüter dürften nun bald das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Und dann werden die Märkte auf Zinssenkungen spekulieren und damit die Renditen nach unten treiben. Die Zinssenkungsphantasie dürfte wieder aufkommen, wenn sich zeigt, dass die Konjunktur in den USA doch nicht so brummt, wie viele Beobachter derzeit meinen. So sind die Probleme am US-Immobilienmarkt mit all ihren Auswirkungen auf den US-Konsum noch nicht gelöst. Auch andere berechtigte Ängste – wie vor der Überhitzung der chinesischen Wirtschaft, der steigende Verschuldung von Unternehmen und der hohen Fremdverschuldung von Hedge-Fonds – sind derzeit in den Hintergrund gerückt, könnten aber schnell wieder hochkochen.

» Die Gegenposition von Ingo Narat „Die Aussichten für Bonds sind düster“ lesen Sie hier.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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