Bulle & Bär
Die Düstermänner raten zum Ausstieg aus den Börsen

England im Jahr 2027: ein faschistoider Polizeistaat, Ruinen, sterbende Menschen. Es ist Apokalypse pur, was Alfonso Cuarón in seinem Thriller „Children of Men“ jetzt in die Kinosäle bringt. Ein Mix aus „Mad Max“ und „Waterworld“. Vielleicht inspirierten die Schwarzseher an den Finanzmärkten den mexikanischen Regisseur zu seinem Leinwandstreifen über ein künftiges, kinderloses United Kingdom.

FRANKFURT. Die aktuellen Gegensätze auf dem Börsenparkett könnten kaum größer sein. Während die traditionellen Analysten den Wall-Street-Höhenflug bejubeln, ordnen am anderen Ende der Stimmungsskala die Ultra-Pessimisten ihre Reihen. Und die pochen auf die finanziellen Ungleichgewichte, den Klimawandel, den Kampf um Rohstoffe und die Demografie.

Da gibt es den Öko-Kritiker James Lovelock. Der britische Professor warnt vor der Klimakatastrophe, hält aber den Umstieg auf nachwachsende Energieträger für einen katastrophalen Irrweg. Er rechnet vor, dass die dafür nötige landwirtschaftliche Fläche mehrere Planeten Erde in Anspruch nehmen würde. Sein Ausblick erzeugt Gänsehaut: Ohne Schwenk auf die Atomenergie hat unser Planet am Ende des Jahrhunderts nur noch eine Milliarde Bewohner.

Der Kampf um Ressourcen produziert noch andere unappetitliche Visionen. Top-Thema ist die drohende Ölknappheit, „Peak Oil“ das Schlagwort. Drei- oder sogar vierstellige Ölpreise reißen die Weltwirtschaft in den Abgrund. Manchmal wird dann noch die Zivilisation ausgelöscht. In der Rohstoffecke populärer wird auch die zunehmende Wasserknappheit. Ein amerikanischer Börsenbrief verblüfft seine Leser mit einer speziellen Variante: In den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten wird das lebensspendende Nass in den USA so knapp, dass einer der Nachfolger von George W. Bush im Nachbarland Kanada einmarschiert – weil es genug Wasser hat.

Auf dem Feld der Demografie macht ein Deutscher in der einschlägigen Szene Karriere: Walter K. Eichelburg. Der programmierte Zusammenbruch der Sozialsysteme wird die Regierungen wegfegen, sagt er. In besonders stark verschuldeten Ländern wie den USA und Australien wittert er schon erste Anzeichen zur Einführung einer Diktatur, um im Krisenfall an der Macht zu bleiben. Cuarón lässt schön grüßen.

Die Düstermänner raten zum Ausstieg aus den bald kollabierenden Börsen. Sie greifen zum Rettungsring Rohstoffe und Gold – Hardcore-Vertreter empfehlen sogar den Bau eines eigenen Bunkers, für die Zeit, in der der Mob auf den Straßen tobt. Anleger mit Realitätssinn werden die Phantasmen und Panikmache der Master of Desaster belächeln. Dennoch: Die erwähnten Risiken sind real. Es wäre töricht, sie zu ignorieren. Das Vermögen braucht eine Sicherheitsquote. Ein Minimum sind fünf bis zehn Prozent Gold und andere Rohstoffe. Davon sind die meisten Anleger weit entfernt.

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