Bulle & Bär
Die Entzauberung der Hedge-Fonds

In der Krise wurden Hedge-Fonds entzaubert: Während der vergangenen fünf Jahre haben sie im Schnitt schlechter abgeschnitten haben als der Aktienindex S&P 500. Ihre Schwäche hat mehrere Gründe.
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FrankfurtAls wären die jüngsten Renditen und die Misere des Superstars John Paulson nicht schon enttäuschend genug für die Hedge-Fonds-Branche, kommt jetzt noch eine ernüchternde Rechnung dazu: Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat ermittelt, dass die Fonds während der vergangenen fünf Jahre im Schnitt schlechter abgeschnitten haben als der Aktienindex S&P 500 und als ein Index von Vanguard, der zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen besteht. Konkret hat der Hedge-Fonds-Index von Bloomberg seit Mitte 2007 pro Jahr 2,2 Prozent eingebüßt. Der Vanguard-Mischindex gewann jährlich 3,5 Prozent, der S&P 500 schaffte plus 0,2 Prozent.

Woran die Schwäche der Hedge-Fonds liegt? Wohl an mehreren Gründen. Erstens ist es sehr schwierig, dauerhaft besser abzuschneiden als die Indizes. Für die traditionelle Fondsbranche hat das eine Vielzahl von Studien gezeigt. Letztlich gilt es auch für Hedge-Fonds. Ihr Mythos, den Markt zu schlagen und Anleger möglichst vor Verlusten zu schützen, entstand, als die New-Economy-Blase platzte.

Damals durchschauten Hedge-Fonds früh wahnwitzige Geschäftsmodelle mancher Unternehmen, sie bewahrten Kunden durch Wetten auf fallende Kurse vor Einbußen. Doch Bilanzen zu durchforsten, ist einfacher, als den Ausgang der Schuldenkrise einzuschätzen.

Zweitens verfolgen inzwischen sehr viele Investoren dieselbe Strategie: Um die Jahrtausendwende gab es rund 3600 Hedge-Fonds, die nicht einmal 500 Milliarden Dollar managten, heute sind es 7700 Akteure mit einem Gesamtvermögen von mehr als 2100 Milliarden Dollar, und viele andere Anleger kopieren Hedge-Fonds-Ansätze. Schneller als Wettbewerber zu agieren, ist schwieriger geworden. Zudem ist in der Finanzkrise die Korrelation zwischen verschiedenen Anlageklassen gestiegen, was Absicherungsgeschäfte erschwert.

Und drittens sind die Kunden der Hedge-Fonds fordernder geworden: Waren ihre ursprünglichen Investoren reiche Privatleute, stellen heute Profianleger wie Pensionsfonds den Großteil der Anleger. Mehr und genauere Berichte, mehr Transparenz - all das macht die Fonds nicht billiger. Kommt die geplante EU-Regulierung für Hedge-Fonds, muss die Branche für die Umsetzung dieser Regeln mit neuerlichen Kosten rechnen.

Warum die Anleger trotzdem investieren? Es gibt phasenweise immer wieder Hedge-Fonds, die sehr gut abschneiden - zwischenzeitlich war es John Paulson.

Kommentare zu " Bulle & Bär: Die Entzauberung der Hedge-Fonds"

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  • Wie dichtete Brecht so schön:
    ...und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht!
    Es geht doch garnicht soo sehr um Hedgefonds und CDS, sondern um "structured finance" samt CDO, nämlich Shadowbanks samt zB OTC (over the counter) Derivatives Markets:
    ca. $700 000 000 000 000 ^^
    Quelle:
    http://www.bis.org/statistics/derstats.htm
    Da liegen quasi die Leichen im Keller, die die Deregulierung gebracht hat!
    Die Hedgefonds sind nur Taschendiebe, mit denen man ablenkt:
    Haltet den Dieb! ;)
    Empfehle Interessenten etwas Studium, um das Spiel zu durchschaun, das mit uns allen gespielt wird:
    http://www.amazon.com/Structured-Finance-Collateralized-Debt-Obligations/dp/0470288949%3FSubscriptionId%3D0JJEH4PKQM4ZHS8QY102%26tag%3Dthehuffingtop-20%26linkCode%3Dxm2%26camp%3D2025%26creative%3D165953%26creativeASIN%3D0470288949

    Das neue e-book aktualisiert das Ganze anhand von rezenten Artikeln von Janet Tavakoli: es gibt leider kaum Alternativen, ein HB-Interview mit Janet Tavakoli wäre klasse!
    The New Robber Barons
    http://www.tavakolistructuredfinance.com/books.html

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