Bulle und Bär
Die Freiheit des Fondsanlegers

Freie Fahrt für freie Bürger. Die DWS hat sich jetzt gegen die Mehrheit der Wettbewerber gestellt, die ihre sogenannten ABS-Fonds für Investments in ganz spezielle Anleihekonstruktion geschlossen hat. Da will Deutschlands größtes Fondshaus nicht mitmachen. Wenn Anleger ihre Anteile verkaufen wollen, sollen sie das auch tun können - natürlich mit marktgerechten Abschlägen.

FRANKFURT. Die Lage ist vertrackt: Entweder schließen die Anlagehäuser die betroffenen Fonds und nehmen keine Anteile zurück, um den Anleger "vor sich selbst zu schützen", oder sie halten die Produkte offen, weil sie die Entscheidungsfreiheit des Anlegers respektieren. Irgendwie erinnert das an die Krise der offenen Immobilienfonds vor knapp zwei Jahren. Damals war das Kernproblem ähnlich dem heutigen. In beiden Fällen geht es um täglich handelbare und in diesem Sinne liquide Fonds, die im Immobilienfall in naturgemäß illiquide Objekte investieren bzw. im ABS-Fall in einem Segment, das plötzlich ausgetrocknet ist - auch dieser Markt ist nunmehr illiquide.

Wenn jetzt die Anleger Anteile in hohen Volumina zurückgeben wollen und die Fondsmanager deshalb bestehende Positionen verkaufen müssen, beginnt es im Räderwerk zu klemmen. Die Portfoliolenker müssen nach Aufbrauchen der Liquidität Objekte aus dem Fondsportfolio abstoßen. Bei Immobilien klappt das aus dem Stand heraus gar nicht, bei den aktuell betroffenen Anleihepapieren mit schlechter Bonität ist das zur Zeit faktisch ebenfalls nicht oder nur zu desaströsen Ramschpreisen möglich.

Gerade die ABS-Papiere mit schlechter Bonität sind fast unverkäuflich geworden. Fonds, die eine hohe Quote dieser Anleihen im Depot haben, sind kaum in der Lage Anteilspreise zu berechnen bzw. haben in wenigen Tagen mehr als ein Viertel an Wert verloren. Paradefall dafür sind einige Axa-Fonds. Der ABS-Fonds der DWS ist nicht im heikelsten Segment investiert, hier liegen die Wertverluste im niedrigen einstelligen prozentualen Bereich. In diesem Fall hat das Votum für eine freie Entscheidung des Anlegers etwas für sich. Vielleicht finden sich sogar mutige Käufer: Wen das Risiko nicht schreckt, der kann zu tiefen Preisen einsteigen.

In den meisten Problemfonds sind nur institutionelle Anleger investiert. Bei den wenigen Portfolios mit spürbarem Privatanlegeranteil dürfte es schnell eng werden für Berater und Banken, falls sie ihren Kunden ABS-Fonds als sichere Produkte ohne Risiko verkauft haben. Rechtsanwälte wie Jens Graf in Düsseldorf sprechen von Schadensersatzansprüchen. Ob es so weit kommt, muss sich zeigen.

Fest stehen dagegen schon die schlechten Noten, die sich einige Anlagehäuser für ihre Öffentlichkeitsarbeit verdient haben. Individuelle Anfragen zu den aktuellen Problemen wollten einige Fondsanbieter nicht beantworten. Um im Branchenjargon zu bleiben: Hier haben sich WestLB-Mellon, Axa, BNP Paribas, HSBC & Co. nur eine B-Note verdient.

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