Bulle & Bär
Die Kunst des Investierens

John Bogle hat Recht: „Kaum eine Erkenntnis übers Investieren wird so häufig zitiert und trotzdem fast ausnahmslos ignoriert“, schreibt der Gründer der zweitgrößten US-Fondsgesellschaft Vanguard über den Zusammenhang zwischen Kosten und Anlageergebnis, nachzulesen im US-Branchenmagazin „Financial Analysts Journal“.

HB DÜSSELDORF. Vor allem für Aktienkäufer gilt: Ihr Gewinn ist gleich dem Zuwachs des Gesamtmarkts minus Kosten. Diese schlichte wie gravierende Feststellung lohnt eine längere Reflektion. Warum können die Aktionäre insgesamt nie besser abschneiden als der Gesamtmarkt? Weil die Summe aller Aktien ja gerade den Gesamtmarkt bildet. Zwar hatte der eine 2005 vielleicht Glück und sein Aktienfonds kaufte ein paar Gewinneraktien mehr. Dafür hatte aber ein anderer Fonds mehr Verliereraktien im Depot. Unterm Strich gleicht sich das aus. Dauerhaft überdurchschnittliche Resultate liefert so wie kein Aktienfonds.

Wer dies einmal verinnerlicht, wird mehr Aufmerksamkeit auf den zweiten Teil der Gewinngleichung verwenden – die Kosten. Hier bestehen enorme Unterschiede zwischen Anlagealternativen, und diese beeinflussen langfristig den Anlageerfolg.

Ein Beispiel: Ein Anleger investiert 10 000 Euro in einen Aktienfonds mit Gesamtkosten von 1,5 Prozent jährlich. Ein anderer Sparer steckt derweil 10 000 Euro in einen vergleichbaren Indexfonds, der Kosten von 0,4 Prozent pro Jahr berechnet. Steigen beide Fonds jährlich um brutto neun Prozent, dann hat Anleger eins nach dreißig Jahren 87 550 Euro auf der hohen Kante. Der andere verdient bei gleicher Wertentwicklung 118 821 Euro – und damit 31 271 Euro mehr als sein Gegenüber. So viel kann ein scheinbar kleiner Kostenunterschied ausmachen.

Nun braucht sich niemand hier zu schämen. Neun von zehn Anlegern verhalten sich wie Herr Müller. Sie zahlen hohe Gebühren, ohne dafür bessere Leistung zu erhalten. Die Differenz fällt in der Realität oft noch dramatischer aus, weil manche Indexfondsanbieter gerade mal 0,15 Prozent Gebühren erheben, dagegen aktiv gemanagte Fonds oftmals höhere Gesamtkosten als die genannten 1,5 Prozent haben.

Die irrationale Vorliebe der Privatanleger für teure Aktienfonds hat zwei Ursachen. Erstens haben die Banken ein Interesse, teure Produkte zu verkaufen. Kaum ein Berater bietet günstigen Indexfonds an, weil er daran weniger verdient. Dass selbst unbedarfte Anleger solche Fonds leicht über Discountbroker kaufen können, verrät der nette Mann von der Sparkasse nicht.

Zweitens, die meisten Anleger hoffen, dass gerade ihr Aktienfonds besonders gut läuft und die höheren Gebühren mehr als kompensiert. Viele Investoren vertrauen ihr Erspartes zudem lieber einem Fondsmanager an, als in einen anonymen Index zu investieren. Das ist verständlich – aber eben nicht besonders clever.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%