Bulle & Bär
Die Null bewegt die Welt

Das lernen Kinder in der Grundschule: beim Addieren großer Zahlen mit vielen Nullen erst die vorderen Ziffern zusammenzählen, dann die Nullen einfach anhängen. Derzeit drücken Politiker und Notenbanker wieder die Schulbank. Auch sie üben das Anhängen von Nullen. Klassenziel ist die Rettung der Wirtschaftswelt.

FRANKFURT. An den globalen Aktienmärkten haben Anleger seit dem Hoch etwa 30 000 000 000 000 Dollar verloren. In verkürzter Schreibweise und mit Verzicht auf zwölf Nullen sind das 30 Billionen Dollar. Die Vermögensverluste bei Immobilien addieren sich weltweit laut Schätzungen auf eine ähnliche Summe. Insgesamt fehlen also um die 60 Billionen Dollar.

Diesen Einbruch versuchen Notenbanker und Politiker mit aller Macht abzufedern. Ein jäher Konjunkturabsturz soll auf jeden Fall vermieden werden. Deshalb haben Amerikaner, Europäer und Chinesen Konjunkturprogramme von mehreren Billionen Dollar lanciert. Aber es sind bescheidene Beträge, die den bisherigen Vermögensschwund bei weitem nicht auffangen.

Nun scheint die Krise 2.0 zu beginnen. In der ersten Phase verloren Anleger ihre Vermögen bei Aktien, Immobilien und Anleihen mit Kreditrisiken. Jetzt rutscht die globale Konjunktur. Im laufenden Jahr werden viele Menschen ihre Arbeitsplätze und Einkommen verlieren. Einen Vorgeschmack geben Streiks und Proteste in Griechenland, Island, Osteuropa – China ist mit explodierenden Arbeitslosenzahlen ein Pulverfass. Nun droht sogar einer der letzten Heroen zu scheitern: Ex-Terminator Arnold Schwarzenegger versucht, den Bankrott seines Bundesstaates Kalifornien abzuwenden. Kalifornien ist immerhin die achtgrößte Volkswirtschaft der Erde.

Auch andere Länder sind gefährdet, spätestens wenn die Steuereinnahmen mit absackender Wirtschaft schrumpfen. Dann müssen Politiker weitere Nullen an ihre Rettungsprogramme anhängen. Irgendwann könnten die Börsianer in der Nullen-Inflation weniger eine Rettung sehen als vielmehr eine Gefahr wittern – und damit eine erneute Verkaufswelle bei Risikoinvestments wie Aktien einleiten. Kurzum: Für breit angelegte Käufe ist es zu früh.

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