Bulle & Bär
Die richtige Mischung im Depot

Erinnerungen an das Platzen der Kursblase vor sechs Jahren werden wach. Damals starteten die Technologieaktien ihre desaströse Talfahrt.

FRANKFURT. Jetzt geht es erneut abwärts, mit einem Unterschied: Nicht nur Wachstumswerte rutschen ab, sondern nahezu alle Anlageformen verlieren an Wert: Aktien, Rohstoffe, Immobilien. Die Anleihekurse geben schon seit einem Jahr nach, auch wenn sie in den vergangenen Tagen von ihrem Status als „sicherer Hafen“ profitieren.

Es passiert genau das, was erfahrene Börsianer erwarteten. Sämtliche Vermögenswerte waren überteuert und Korrekturen daher nur eine Frage der Zeit. Die spekulativen Exzesse gehen auf das Konto des früheren US-Notenbankchefs Alan Greenspan. „Easy Al“ pumpte nach dem Platzen der Tech-Blase Geld in den Wirtschaftskreislauf, um die Konjunktur am Laufen zu halten. Die Liquidität trieb alle Anlageobjekte in exorbitante Höhen und die Zinsen in ungeahnte Tiefen.

Über Jahre stiegen alle Vermögenswerte, jetzt fallen sie alle gleichzeitig. Das bringt die Anleger in Schwierigkeiten. In Finanzlehrbüchern steht: Streuung schützt vor großen Verlusten. Allerdings: Wenn alle Vermögenswerte fallen, gibt es keinen Schutz. Genau das hat Merrill Lynch vorgerechnet. Vor einigen Jahren entwickelten sich beispielsweise Standard- und Nebenwerte, die Aktienbörsen etablierter und aufstrebender Länder weitgehend unabhängig voneinander. Das ist Schnee von gestern. Heute steigen und fallen sie fast im Gleichklang. Darüber hinaus bewegen sich auch aktienähnliche Festverzinsliche oder Wandelanleihen ähnlich wie Aktien. Andere große Anlageklassen taugen ebenfalls kaum zur Absicherung. Die überhöhten Immobilienpreise in den USA bergen weitere Gefahren.

Einen gewissen Risikopuffer bieten noch Rohstoffe. Laut Merrill nahm die Gleichförmigkeit der Preisentwicklungen von Commodities im Verhältnis zu den Bewegungen an den Aktienmärkten allerdings zu. Die Bank kommt zu dem Schluss: Nur noch erstklassige Anleihen und Liquidität bieten Schutz durch Streuung. Sollte die Inflation steigen und sollten die Bonds ihren einjährigen Trend fallender Kurse fortsetzen, wäre mit ihnen allerdings auch kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

Unter diesen Vorzeichen steht der Anleger bei seiner Depotstrukturierung vor schwierigen Entscheidungen. Eines ist sicher: Cash ist King, denn Bargeld kennt keine Kursverluste. Das führt zur Depot-Empfehlung: Liquidität und kurzfristige Bonds erstklassiger Emittenten stark berücksichtigen, geringe Quoten an Aktien und lang laufenden Anleihen halten, im Rohstoffsegment auf Edelmetalle als Inflationsschutz und die von Kapitalmarkttrends unabhängigen Agrarprodukte setzen. Andere Anlagen wie Hedge-Fonds oder Private Equity können dazugehören, bleiben aber den absoluten Profis vorbehalten.

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