Bulle & Bär
Die Risiken erkennen

„Schwachheit, dein Name ist Glaube!“ Mit dieser Abwandlung einer Zeile von William Shakespeare ist die Situation an den Finanzmärkten zu beschreiben. Zu viele Anleger sind Jünger der „Consensus-Lehre“: Sie folgen der am Markt herrschenden Meinung.

FRANKFURT. Zu glauben, dass die Mehrheit der Experten richtig liegt, war in der Vergangenheit ein kostspieliger Irrtum. Es gehört nicht viel Prophetie zu der Annahme, dass dieser Glaube auch im laufenden Zyklus trügen wird.

Die grundlegenden ökonomischen Strömungen in der Welt sind zu massiven Veränderungen unterworfen, als dass für die nahe Zukunft von einem störungsfreien Wachstum der Weltwirtschaft ausgegangen werden könnte. Das Problem: Zahlreiche Ökonomen haben ihre Modellrechnungen diesen veränderten Grundströmungen nicht angepasst. Nirgends ist dies so deutlich wie an den Rohstoff- und Grundstoffmärkten, wo durch das Auftauchen neuer Verbraucherriesen große Angebotslücken entstanden sind.

Anleger wissen, dass die herrschende Meinung im laufenden Zyklus dann zur Gefahr wird, wenn der Optimismus ausufern sollte und blind macht für Risiken. So weit ist es noch nicht. Sie sind aber gut beraten, sich bereits heute mit Risiken zu befassen. Interessanterweise hat sich das Finanzhaus Goldman Sachs kürzlich im Rahmen einer durch Wissenschaftler, Top-Manager, Regierungsvertreter und Strategen aus aller Welt bestrittenen Konferenz mit den Risiken für das Welt-Finanzsystem auseinander gesetzt.

Es überrascht nicht, dass die globale Energieversorgung als eines der größten Risiken für die Welt erkannt wurde. Darüber hinaus wurden die Zwillingsdefizite der USA (beim Staat und in der Handelsbilanz) und in diesem Kontext die Entwicklung des Dollarkurses als Störfaktor für die Stabilität des Welt-Finanzsystems bezeichnet. Als weitere Probleme gelten die Liberalisierung des Welthandels und die zunehmenden Protektionismus-Tendenzen.

Die in der globalen Umweltverschmutzung und in geopolitischen Spannungen liegenden Risiken hängen ebenso als Damoklesschwert über den Märkten wie die anhaltenden terroristischen Gefahren. Darüber hinaus zeigen die jüngsten Seuchen, die von den bevölkerungsreichen Ländern im Fernen Osten ausgegangen sind, dass das ökonomische Zusammenwachsen der Welt nicht nur Vorteile hat, sondern auch große Risiken in sich birgt.

Und last but not least machen sich die führenden Köpfe der Finanzszene immer mehr Sorgen über das Gebaren neuer Finanzmarkt-Teilnehmer wie Private-Equity-Unternehmen und Hedge-Fonds sowie über die von diesen Playern immer stärker vorangetriebene Nutzung von Finanz-Derivaten. Der Anleger erkennt daran: Potenzielle Störfaktoren gibt es genug. Die Kunst für ihn ist herauszufinden, wann und in welcher Intensität diese Risiken negativen Einfluss auf das Finanzsystem nehmen werden.

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