Bulle & Bär
Die Rohstoff-Prophezeiungen des Jim Rogers

Rohstoffe sind die einzig wahre Strategie für Anleger - so predigt es zumindest Jim Rogers. Denn bei Zucker und Zink können die Preise niemals auf null sinken. Doch die Philosophie des Experten ist fragwürdig.
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FrankfurtAm besten funktioniert Werbung, die man gar nicht als solche wahrnimmt. „In Rohstoffe investieren wie Jim Rogers“, hieß es am Freitag im Frankfurter Palais am Zoo, organisiert von der Royal Bank of Scotland (RBS). Und wer könnte das besser erklären als der Meister selbst. Rogers, ehemaliger Manager des „Quantum“- Hedge-Fonds, hatte zur Jahrtausendwende den Rohstoffboom vorhergesagt. Seitdem gilt er als der Experte. Unabhängig ist er allerdings nicht. Er hat Rohstoffindizes aufgelegt, in die Anleger über RBS-Zertifikate investieren können. Seine eloquenten Vorträge sind Teil seiner riesigen Vermarktungsmaschinerie.

Rogers gibt gern den Bodenständigen, den Typen, der die Sachen lebt, die er sagt. Zu Beginn zeigt er – wie immer – Privatfotos seiner beiden kleinen Töchter, erzählt ebenfalls wie immer, dass die beiden Chinesisch lernen, und spielt ein Video von seiner Weltreise vor. Auf dieser Tour sei ihm die Bedeutung von Rohstoffen bewusst geworden. Weil es in den USA nur noch bergab geht, ist er nach Singapur gezogen. Mit Witz und Lässigkeit streut der kleine Mann, der gerne Fliege trägt, seine immer gleiche Theorie: Die Notenbanken richten die Papierwährungen zugrunde. Aktien und Anleihen werden einbrechen. Der einzige Markt, der langfristig wachsen wird, ist der Rohstoffmarkt. Rogers selbst wettet auf fallende Aktienkurse und gegen US-Staatsanleihen. Ein paar Währungen habe er noch im Depot. Aber mit Ausnahme des Yuan sei er besorgt.

Eine Diversifikation über verschiedene Anlageklassen, wie sie Vermögensberater empfehlen, ist Rogers fremd. Für ihn, den Untergangspropheten, gibt es nur Rohstoffe. Dabei sei es egal, ob die Weltwirtschaft runter- oder raufgeht. Denn im Abschwung, der laut Rogers allerspätestens in zwei Jahren einsetzt, würden die Notenbanken noch mehr Geld drucken und so eine Flucht in reale Werte auslösen. Im Aufschwung steige ohnehin die Nachfrage nach Rohstoffen.

Das klingt nachvollziehbar, trifft aber bisher nicht die Realität. Aktien- und Rohstoffmärkte entwickeln sich im Gleichschritt, beide fielen in der Finanzkrise und steigen seitdem. Dass es mit der Entkoppelung noch eine Weile dauert, schließt auch Rogers nicht aus. Grundsätzlich gibt er gern Anlagehorizonte von zehn Jahren an, zwischenzeitliche Korrekturen nicht ausgeschlossen. Wer dann ausschließlich auf Rohstoffe gesetzt hat, kann schnell auf dem falschen Fuß erwischt werden.

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