Bulle & Bär
Die Rückkehr der Inflation

Das ist scheinbar unmöglich: Die Konjunkturprognosen für die USA sind trübe, doch die Inflation steigt, und die Rohstoffpreise explodieren. Normalerweise wäre das unvereinbar. Doch die Gegenwart ist anormal. Heute stecken die Börsen in einer Kredit- und Vertrauenskrise, die die Notenbanken mit einer Geldschwemme bisher unbekannten Ausmaßes bewältigen wollen. Eine gefährliche Mischung.

FRANKFURT. Zusammen mit den boomenden Ökonomien der Schwellenländer braut sich ein gefährliches Gemisch zusammen, denn Staaten wie China brauchen für ihren Aufbau die knappen Ressourcen - praktisch um jeden Preis.

Seit Beginn der Rohstoffhausse vor neun Jahren gab es nur eine einzige vierwöchige Phase, in der die Preise so rasant nach oben schossen wie jetzt. Öl hat sich seit dem Jahrtausendwechsel verzehnfacht und nun die Marke von 100 Dollar je Barrel genommen. Edelmetalle profitieren vom Run auf inflationssichere Anlagen, beschleunigt durch die Produktionsausfälle in Südafrika. Basismetalle wie Kupfer werden sprunghaft teurer, obwohl gerade sie unter einer Rezession leiden müssten.

Für die High-Tech-Branche und das boomende China wichtige Spezialmetalle entwickeln eine bisher völlig unbekannte Dynamik. So war Rhodium vor vier Jahren unter 500 Dollar je Tonne zu haben, jetzt kostet es 9 000 Dollar. Auch Agrarrohstoffe liegen voll im Trend. Der Weizenpreis hat sich binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt.

Doch das Rezessionsszenario drückt weder die Rohstoffpreise noch besänftigt es die Inflationsängste. Weitsichtige Börsianer blicken lieber auf die Geldmengen, die in vielen Ländern mit zweistelligen Jahresraten wachsen. Das sollte die Inflation beschleunigen. Die USA meldeten bereits eine Teuerungsrate von 4,3 Prozent, fast ein 16-Jahreshoch. China markierte mit 7,1 Prozent einen Elfjahresrekord. Gestern hob die EU-Kommission ihre Schätzung für die Euro-Zone und 2008 auf 2,6 Prozent an. Es wäre die stärkste Geldentwertung seit Bestehen der Gemeinschaftswährung.

An dieser Stelle proben Inflation und Rohstoffe den Schulterschluss: Die Geldflut der Notenbanken entwertet das Geld. Wenn mehr Geld in Umlauf gebracht wird, muss der Geld-Gegenwert von nicht beliebig vermehrbaren Gütern steigen. Und Rohstoffe sind nicht beliebig vermehrbar.

In der breiten Öffentlichkeit finden diese Diskussionen wenig Widerhall - was fatal ist. Die Rückkehr der Inflation im Zusammenspiel mit Kreditkrise, Rohstoffhausse und dem Aufstieg der Schwellenländer kann zum entscheidenden Thema des Jahres 2008 und darüber hinaus werden. Finanzmärkte und die Ökonomien dürften noch heftig durchgeschüttelt werden. Die heftigen Schwankungen an den Börsen geben einen Vorgeschmack.

Anleger stehen vor der größten Herausforderung seit vielen Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten. Sie müssen ihr Vermögen gegen mögliche Börsenturbulenzen und steigende Inflation sichern.

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