Bulle und Bär
Die Wahrheit liegt auf dem Konto

Es ist die Woche der Wahrheit – wieder einmal. In den vergangenen Monaten haben wir diesen Satz häufiger gehört. Mal war er mehr, mal weniger treffend. Diese Woche dürfte er zutreffen.

FRANKFURT. Es ist die Woche der Wahrheit - wieder einmal. In den vergangenen Monaten haben wir diesen Satz häufiger gehört. Mal war er mehr, mal weniger treffend. Diese Woche dürfte er zutreffen. Denn in den USA werden die Ergebnisse der Bankenstresstests vorgestellt. Die alles entscheidende Frage lautet: Sind die 19 größten US-Banken stark genug, eine lang anhaltende Rezession durchzustehen - oder sind sie es nicht?

Zuletzt gab es Zweifel daran. Das "Wall Street Journal" hatte vergangene Woche berichtet, Citigroup und Bank of America brauchten frisches Geld. Den Anlegern schmeckte das natürlich gar nicht; die Aktienkurse beider Finanzhäuser sackten zeitweise ab. Sollten die Banken den Belastungstest der US-Behörden aber bestehen, wird die Rally an den Aktienmärkten weitergehen. Falls nicht, droht der erste empfindliche Rückschlag.

Die Schweinegrippe dagegen ist weit weniger gefährlich für die Börse als für die betroffenen Menschen in Südamerika. Ein Blick in die Historie genügt: Zwischen 1918 und 1919, als die Spanische Grippe rund um den Globus wütete, starben rund 50 Millionen Menschen. Der amerikanische Leitindex Dow Jones verlor in dieser Zeit gerade einmal elf Prozent. Binnen weniger Monate holte der Dow die Verluste wieder rein. Die Börse war in der Vergangenheit weitgehend immun gegen Viren. Sie wird es auch diesmal sein.

Entscheidender wird neben dem Ausgang der Bankenstresstests die Psyche der Investoren sein. Viele haben sich in den vergangenen Wochen zurückgehalten, weil es als ausgemacht galt, dass die Kurse nach einer kurzen Aufholjagd schon bald wieder zurückfallen würden. Doch mit jedem Punkt, den Dax und Dow steigen, wächst die Angst, dass die Zeit der günstigen Einstiegsgelegenheiten schon bald vorbei sein könnte. Niemand will die Rally verpassen; niemand will zuschauen, wie sich der Nachbar die Taschen füllt. Diese Angst ist weit größer als die Furcht vor einem Rückschlag. Menschen sind gierig.

Genug Geld jedenfalls ist da; das zeigen die Salden der vielen Geldmarktkonten. Schichten die Anleger um, werden die Aktienindizes noch kräftiger steigen.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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