Bulle & Bär
Die Wiederbelebten

Alle Welt redet vom Klimawandel. Alle wollen saubere Energien, und alle wollen weg vom Öl. Die Investoren haben auf diesen Trend längst reagiert; wie Pilze sprießen Nachhaltigkeitsfonds aus dem Boden. Wie ein Paradoxon mutet es deshalb an, dass die Hersteller von Biosprit an der Börse bislang ein trauriges Dasein fristeten.

FRANKFURT. Ob Verbio oder Crop Energies, Biopetrol, BDI Biodiesel oder Petrotec, sie alle sind nach einem verheißungsvollen Börsenstart im vergangenen Jahr gnadenlos abgestürzt. Teilweise sind sie wie Verbio oder Petrotec nicht einmal mehr die Hälfte ihres damaligen Ausgabepreises wert.

Dass die Titel der Branche nach tiefem Fall Anfang der Woche kurzzeitig in die Höhe schossen, liegt an der Ankündigung vom Wochenende, die Beimischungspflicht vom Biosprit an herkömmlichem Benzin und Diesel bis zum Jahr 2010 von fünf auf zehn Prozent erhöhen zu wollen.

Die Biosprit-Aktien wurden damit zwar wiederbelebt, ob jedoch nach erfolgter Reha auch mit einer Gesundung zu rechnen ist, ist fraglich. Denn die Zeiten für den "grünen" Sprit haben sich seit August vergangenen Jahres grundlegend geändert, als die Steuer von neun Cent für einen Liter eingeführt wurde. Davor lag an der Tankstelle der Preis beispielsweise für Biodiesel deutlich unter dem von herkömmlichem Diesel.

Nicht jeder Automobil-Hersteller hat Biodiesel für seine Fahrzeuge freigegeben; manche haben sogar massiv davon abgeraten. Unter denjenigen, die Biodiesel als unbedenklich für ihre Motoren erklärten, waren aber auch Massenhersteller wie VW. Es gab daher eine nicht unerhebliche Fan-Gemeinde, die auf den damals noch bis zu 20 Cent pro Liter billigeren Treibstoff zurückgegriffen hat. Noch lukrativer war für die Sprit-Produzenten der Verkauf an die Transportbranche, deren schweren Lkws es egal war, welche Art von Diesel gerade im Tank schwappte.

Seitdem die neue Besteuerung am Markt ist, ist der direkte Absatz an der Tankstelle so gut wie weggebrochen. Wo kaum noch ein preislicher Anreiz ist, besteht auch kaum noch Nachfrage. Zu allem Unglück haben auch noch die Rohstoffpreise für Zucker, Raps und Getreide kräftig angezogen, was die Herstellkosten in die Höhe trieb.

Die zu Jahresbeginn eingeführte Beimischungspflicht konnte das alles bislang nicht auffangen und wird es wohl auch nicht können, wenn die beizumischende Menge verdoppelt wird. Denn die Kapazitäten in Deutschland, die in den letzten Jahren auf üppige vier Millionen Tonnen aufgebaut wurden, sind derzeit nicht einmal zur Hälfte ausgelastet.

Wer jetzt trotz der nicht allzu guten Aussichten in Biosprit-Werte investiert, der setzt auf eine Energieform, die sich langfristig sicher am Markt durchsetzen wird. Zumal die Beimischungspflicht auch nach dem Jahr 2010 weiter steigen wird. Im Moment jedoch braucht der Anleger einen langen Atem.

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