Bulle & Bär
Dollar auf Abwegen

Ben Bernanke hat die US-Leitzinsen kräftig gesenkt. Amerikas oberster Notenbanker gab ein klares Signal an Wirtschaft und Finanzmärkte: Wir werden eine Rezession verhindern – und das um fast jeden Preis. Die ausufernde Krise am US-Hypothekenmarkt steht jetzt im Zentrum der Überlegungen. Noch vor einigen Monaten waren weitere Leitzinserhöhungen erwartet worden. Das ist Schnee von gestern.

Ben Bernanke hat die US-Leitzinsen kräftig gesenkt. Amerikas oberster Notenbanker gab ein klares Signal an Wirtschaft und Finanzmärkte: Wir werden eine Rezession verhindern - und das um fast jeden Preis. Die ausufernde Krise am US-Hypothekenmarkt steht jetzt im Zentrum der Überlegungen. Noch vor einigen Monaten waren weitere Leitzinserhöhungen erwartet worden. Das ist Schnee von gestern.

Manche Ökonomen feiern Bernankes Aktion als große Tat, als vertrauensbildende Maßnahme. Tatsächlich haben die Akteure an den Aktienmärkten spontan applaudiert und die Kurse erst einmal nach oben geschickt. Fast alle anderen Märkte reagierten mit einem Paukenschlag: Der Dollar probte den Absturz auf historische Tiefen, die Anleiherenditen sprangen nach oben, der Ölpreis erreichte ein neues Top, Gold nähert sich einem Langzeithoch. Wieder einmal beweisen die Märkte ihre Vernetzung. Wenn sich nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren der Wasserstand an einem Punkt ändert, stehen oder fallen auch die Pegel an anderen Orten. Hier ist es die Angst der Notenbanker vor einer Rezession, die die Leitzinspolitik um 180 Grad gedreht hat und auf die Pegelstände durchschlägt.

Nach Ansicht von Bill Gross, dem Anleihe-Guru der Anlagegesellschaft Pimco, wird Bernanke die Zinsen noch um weitere eineinhalb Prozentpunkte bis auf 3,25 Prozent senken. Gross steht mit seiner Prognose nicht allein. Deshalb interpretieren einige Beobachter Bernankes Aktion weniger als Zeichen der Stärke denn als Kapitulation vor dem Ernst der Lage. Wirtschaft und Unternehmen werden billiges Geld zur Vermeidung einer tiefen Konjunkturkrise bekommen - und zwar so viel wie nötig.

Das hören Besitzer von Dollarpapieren nicht gerne. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass ausländische Investoren bei US-Staatsanleihen zögerlicher zugreifen und damit deren Renditen treiben. Eine Politik des billigen Geldes schadet auch dem Greenback. Wenn mehr Dollar umlaufen, muss deren Wert gegenüber den nicht vermehrten Gegenständen sinken - was die Rohstoffpreisentwicklungen illustrieren. Das dürfte ausländischen Besitzern von Dollar-Anleihen und US-Aktien Magenschmerzen bereiten. Die Währungsverluste sind bereits beachtlich. Der Euro sprang - als Spiegelbild der Dollarschwäche - locker über die Marke von 1,40 Dollar. Manche Auguren nehmen bereits die Schwelle von 1,50 Dollar ins Auge.

Euro-Anleger dürften daher wenig Freude an Dollar-Bonds haben. Sie erhalten im schlimmsten Fall einen doppelten Schlag in die Magengrube: Kursverluste durch weiter steigende Renditen, zusätzliche Währungsverluste durch den Abstieg des Greenbacks. Es ist die Frage, wie lange sich die Wall Street einem solchen Szenario entziehen kann. Mutige Anleger haben ihre Wetten bereits platziert: Sie setzen auf einen fallenden Dollar und steigende Renditen.

narat@handelsblatt.com

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