Bulle & Bär
Ein Funken Hoffnung für Junk-Bonds

Auf einen europäischen Junk-Bond haben Anleihehändler über anderthalb Jahre gewartet. Durch die internationale Finanzkrise ist der Markt für Bonds schwacher Schuldner komplett ausgetrocknet. Einen Vorstoß wagte vergangene Woche der deutsche Klinikbetreiber und Dialyse-Spezialist Fresenius.

FRANKFURT. Die Emission kam bei den gebeutelten Investoren, die mit Junk-Bonds 2008 im Schnitt Verluste von gut 30 Prozent eingefahren haben, sogar gut an: Die Konsortialbanken bekamen Kaufaufträge über gut fünf Mrd. Dollar für die Anleihe, die sich in zwei sechsjährige Tranchen von 500 Mio. Dollar und 275 Mio. Euro aufteilte. Die Euro-Tranche (ISIN XS039039834) wird mit einem Kupon von 8,75 pro Jahr Prozent verzinst.

Die Platzierung von Fresenius ist aber nur ein Fünkchen Hoffnung für andere Junk-Emittenten. Eine Welle von Emissionen wird es nicht geben. Dafür ist das Umfeld noch viel zu schlecht. Die Ratingagentur Moody's rechnet damit, dass die Rezession bis Ende des Jahres 55 europäische Unternehmen - das sind gut 18 Prozent aller europäischen Junk-Schuldner - in den Ruin treiben wird.

Fresenius liegt mit seinen Ratings "Ba1" (Moody's) und "BB" (Standard & Poor's und Fitch) nur eine respektive zwei Stufen unter den Bewertungen für solide Schuldner und gehört nicht zu den Pleitekandidaten. Der im Dax notierte Gesundheitkonzern ist zwar nach der Übernahme des US-Generikaherstellers APP Pharmaceuticals hoch verschuldet, hat aber schon öfter bewiesen, dass er Schulden nach Akquisitionen auch wieder reduziert. Und für das auslaufende und das neue Geschäftsjahr prognostiziert der Konzern erneut Jahresüberschüsse.

Das könnte auch Begehrlichkeiten bei risikofreudigen Privatanlegern wecken. Mit einer Stückelungen in 2 000 Euro und Dollar ist der Bond für Kleinanleger erschwinglich. Während Profianleger bei der Emission, allerdings Renditen von je 10,5 Prozent bekamen, müssen sich Privatanleger wohl mit weniger zufrieden geben. Denn an der Börse werden die Tranchen erst Mitte der Woche notiert. Und die Profis kaufen bei Banken kräftig weiter. Das treibt die Kurse und drückt die Renditen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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