Bulle & Bär
Ein Index mit fragwürdiger Konstruktion

Sind Familienunternehmer die besseren Manager? Ja, behaupten die Indexberechner der Deutschen Börse und zeigen mit Stolz ihr Barometer der familiengeführten Unternehmen „German Entrepreneurial Index“ (Gex). Wer nun auf solche Aktien setzen will, sollte trotzdem um den Gex einen Bogen machen.

Seit seiner Auflegung vor gut einem Jahr hat der Index fast 45 Prozent zugelegt und damit den Leitindex Dax mit dessen Kursplus von knapp 30 Prozent in den Schatten gestellt. Zwar ist die Annahme durchaus berechtigt, dass sich Unternehmen im Familienbesitz langfristig solider entwickeln als andere. Der Gex bildet solche Unternehmen aber nur unzureichend ab. Außerdem widerspricht der Kurssprung des Index der These eines auf langfristigen Erfolg ausgelegten Geschäfts.

In Wirklichkeit zeigt der Gex nur, wie sich die Kurse eines Sammelsuriums von 126 sehr unterschiedlichen Unternehmen entwickeln. Dazu gehören beispielsweise die Anteilsscheine des Traditionskonzerns Henkel (rund 50 000 Mitarbeiter) und des Starnberger Internetdienstleisters Database for Commerce and Industry (DCI, 73 Mitarbeiter). Beide Unternehmen haben keine Gemeinsamkeiten – außer dass die Gründer oder deren Nachfahren mehr als 25 Prozent der Aktien halten und diese Papiere weniger als zehn Jahre börsennotiert sind.

Die zweite Bedingung soll sicherstellen, dass im Index junge wachsende Unternehmen vertreten sind. Das Beispiel Henkel zeigt, dass der Gex genau daran scheitert. Denn der 130 Jahre alte Konsumgüterkonzern hatte 1996 seine Stammaktien an der Börse eingeführt. Die Papiere passen daher – anders als die uralten Vorzugsaktien – in den Gex.

Ohne Henkel sähe die Erfolgsgeschichte des Gex aber ganz anders aus. Der Aktienkurs des Konzerns stieg auf Jahressicht über 30 Prozent. Die DCI-Aktie, noch immer im Jammertal des Börsencrashs, stieg von 48 auf 50 Cent.

Allerdings spielen kleine Werte im Index ohnehin keine Rolle. DCI ist mit einem Promille im Gex gewichtet. Dagegen machen acht große Aktien bereits die Hälfte des Index aus. Darunter ist beispielsweise United Internet; dieAktie legte im vergangenen Jahr rund 70 Prozent zu und ist im Gex mit sechs Prozent gewichtet.

Was ist der Gex also? Ein Index mit sehr fragwürdiger Konstruktion, der im vergangenen Jahr durch Zufall mehr zugelegt hat als der restliche Markt. Eine Messlatte für die Entwicklung von Unternehmen mit starken Eigentümern? Nein.

Auch wenn sich die Deutsche Börse vehement gegen den Vorwurf wehrt: Der Gex ist vor allem eine schöne Basis für Zertifikate mit einem bestimmten Anlagethema. Zwar könnten die meisten Emittenten eine deutlich bessere Aktienauswahl treffen, um die Anlageidee „Familienunternehmen“ umzusetzen. Das seriös wirkende Siegel des größten deutschen Marktplatzes macht den Gex für sie aber wesentlich wertvoller.

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