Bulle & Bär
Ein Land, drei Währungen

In Simbabwe ist zuletzt Bemerkenswertes passiert: Die zu Jahresbeginn noch leeren Regale in den Supermärkten haben sich mit Waren gefüllt. Fast zeitgleich sinken die Preise der Lebensmittel; noch vor zwei Monaten haben sie sich fast täglich verdoppelt. Die langen Warteschlangen vor Banken, Tankstellen und Bäckereien sind verschwunden.

KAPSTADT. Dass sich die Situation in Simbabwe anscheinend verbessert, ist nicht der Verdienst von Staatschef Robert Mugabe, sondern der des US-Dollars. Inzwischen wird fast ausschließlich mit dem Greenback bezahlt – ganz legal. Die eigene Währung, der Simbabwe-Dollar, ist wegen der astronomischen Inflationsraten wertlos. Man findet die Geldscheine überall – in Mülleimern oder auf Bürgersteigen, nur nicht dort, wo sie eigentlich hingehören: in den Ladenkassen oder den Portemonnaies der Menschen.

Die im Februar gebildete „Regierung der Nationalen Einheit“ hat den Sim-Dollar nun auch ganz offiziell begraben und den Namensvetter aus den USA als Zahlungsmittel akzeptiert. Bislang war es nur speziell beglaubigten Unternehmen vorbehalten, in Dollar zu zahlen. Offiziell ist der Sim-Dollar für ein Jahr aus dem Verkehr gezogen, doch niemand glaubt ernsthaft daran, die bunten Geldscheine jemals wiederzusehen.

Ersetzt wird der Simbabwe-Dollar gleich durch drei Währungen: den US-Dollar, den südafrikanischen Rand und den Euro. Auch andere Länder haben in der Vergangenheit ihre Währungen ausrangiert und ersetzt. So wird etwa in Panama oder Ecuador in US-Dollar gezahlt. Simbabwe allerdings ist einzigartig, weil es aus schierer Not gleich mehrere Fremdwährungen erlaubt.

Eine Alternative gab es für die Regierung nicht. Bereits Mitte des letzten Jahres war die Inflationsrate auf 231 Mio. Prozent geschnellt. Inzwischen dürfte sie sogar noch viel höher liegen. Vorsichtshalber hat das Regime keine neuen Zahlen dazu veröffentlicht.

Woher die vielen US-Dollar so plötzlich kommen, ist übrigens ein Rätsel. Ein Grund dafür könnte sein, dass die neue Regierung ihre Beamten letzten Monat erstmals mit einem 100 US-Dollar-Gutschein bezahlte.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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