Bulle & Bär
Eine Frage der Größe

Wer sein Geld einem Investmentfonds anvertraut, informiert sich vorher über die entsprechende Fondsgesellschaft und die bisherige Erfolgsstory seines Favoriten. Dabei übersehen einige Anleger leicht eine dritte Größe: die Summe der im Fonds verwalteten Gelder. Das ist ein Fehler.

Denn neben Performance des Fonds und seiner Gesellschaft hat auch das so genannte Fondsvolumen großen Einfluss auf den Erfolg des Fonds – je nachdem, ob sein Fondsmanager die Anlegergelder auf einem Standardmarkt wie Europa, Japan und Nordamerika oder beispielsweise in den Emerging Markets investiert.

Grundsätzlich gilt die sybillinische Weisheit: Nicht zu groß und nicht zu klein sollte er sein, der Investmentfonds. Die optimale Größe jedoch ist je nach individueller Anlagesituation verschieden:

Kleinere Fonds haben Vorteile, wenn sie Anlegergelder in so genannten engen Märkten investieren. Enge Märkte gibt es in Ländern oder Branchen mit einer geringen Marktkapitalisierung und nur einer Hand voll Unternehmen, die groß genug sind, damit institutionelle Investoren in sie investieren dürfen. Dies ist beispielsweise in Schwellenländern der Fall. Fließt in kurzer Zeit viel frisches Geld in diese enge Märkten, kommt es sofort zu größeren Kursausschlägen. Wird dagegen kurzfristig im größeren Stil Kapital abgezogen, fallen die Kursverluste ebenfalls überproportional aus. Kleine Fonds können unter diesen Bedingungen unbemerkter als große Schiffe Aktien kaufen und verkaufen, schließlich müssen ihre Fondsmanager lediglich Summen in ein- oder zweistelliger Millionenhöhe unterbringen und nicht etwa mehrere hundert Millionen Euro oder noch größere Beträge bewegen. Wegen ihres kleineren Anlagevolumens können kleinere Fonds auch schneller auf neue Trends reagieren und damit besser von Marktveränderungen profitieren als ihre großen Geschwister.

Große Fonds, die mehrere Milliarden Euro verwalten und diese in Standardwerte investieren, sind hingegen auf Märkten wie Europa, Nordamerika und Japan durchaus üblich. Hier ist ausreichend Liquidität vorhanden, so dass die Fondsmanager genügend Möglichkeiten haben, die Gelder zu streuen und trotzdem flexibel zu bleiben. Und je größer das Fondsvolumen ausfällt, desto geringer schlagen die Kosten des Fonds – Zulassung, Halbjahres- und Jahresberichte – für den einzelnen Anleger zu Buche. Bei großen Fonds müssen Anleger auch keine Angst haben, dass die Fondsgesellschaft den Fonds schließt oder mit einem anderen aus ihrer Palette verschmilzt.

Aufpassen sollten Anleger bei Fonds, die weniger als 15 Mill. Euro verwalten. Einige Experten sind sogar der Meinung, erst ab einem Volumen von 30 Mill. Euro lasse sich ein Fonds wirtschaftlich betreiben.

Fazit: In engen Märkten sollten Anleger kleine, flexible Fonds wählen, die wirtschaftlich genug arbeiten, um auf eigenen Beinen zu stehen. In Standardmärkten puffert eine gewisse Größe die Kostenbelastung eines Investmentfonds ab.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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