Bulle & Bär
Eine Frage des Preises

Eigentlich sind Analysten nicht nur auf die vor sich hindümpelnde Aktie der Deutschen Telekom, sondern auch auf die Anleihen des Bonner Konzerns nicht gut zu sprechen. Trotzdem rissen Investoren der Telekom in der vergangenen Woche eine neue Anleihe über 1,5 Milliarden Euro förmlich aus den Händen.

FRANKFURT. Eigentlich sind Analysten nicht nur auf die seit Jahren vor sich hindümpelnde Aktie der Deutschen Telekom, sondern auch auf die Anleihen des Bonner Konzerns nicht allzu gut zu sprechen. Zum einen ist angesichts der anhaltenden Finanzmarktkrise das Umfeld für Unternehmensanleihen ungünstig. Die Kurse vieler Unternehmensanleihen - auch die der Telekom - sind seit dem vergangenen Sommer gefallen, und Experten fürchten noch weitere Rückschläge. Zum anderen drohen die Ratingagenturen der Telekom mit schlechteren Bonitätsnoten. Der Grund: Die Telekom will sich an der griechischen Telekomgesellschaft OTE beteiligen und dadurch ihre Verschuldung erhöhen.

Trotzdem rissen Investoren der Telekom in der vergangenen Woche eine neue Anleihe über 1,5 Milliarden Euro förmlich aus den Händen. Am Ende war die Emission - die erste große neue T-Anleihe seit anderthalb Jahren - mehr als dreifach überzeichnet. Das ist indes nicht so widersprüchlich, wie es auf den ersten Blick erscheint, sondern eine Frage des Preises.

Die in sieben Jahren fällige Anleihe (ISIN: DE000A0TT2M2) wird mit 5,75 Prozent verzinst. Ausgegeben wurde sie zum Kurs von 99,612 Prozent, woraus sich eine jährliche Rendite von 5,819 Prozent errechnete. Die Rendite lag etwa 0,4 Prozentpunkte über ausstehenden vergleichbaren Telekombonds. Das überzeugte Investoren, und viele Analysten empfehlen den neuen Bond.

Schon länger müssen nicht die durch die Finanzmarktkrise von Abschreibungen gebeutelten Banken, sondern auch andere Unternehmen ordentliche Risikoaufschläge bieten, um Investoren für neue Bonds zu gewinnen.

Privatanleger können davon aber nur selten profitieren. Denn neue Anleihen begeben Unternehmen meist mit einem Nominalwert von 50 000 oder sogar 100 000 Euro. Mit dieser hohen Stückelung wenden sie sich zumindest implizit nur an institutionelle Investoren. Damit umgehen sie die seit knapp drei Jahren geltenden verschärften Anlegerschutzvorschriften in den Wertpapierprospekten und sparen Zeit und Geld für die Überarbeitung der Prospekte.

Die Deutsche Telekom hat ihre neue Anleihe jedoch in die früher gängige Stückelung von 1 000 Euro aufgeteilt und macht den Bond damit auch für Kleinanleger zugänglich. Und auch für diese ist die neue Anleihe durchaus reizvoll. Seit Einführung an den Börsen ist ihr Kurs leicht gestiegen und die Rendite im Gegenzug auf 5,7 Prozent gesunken. Aber: So viel gab es für ein siebenjähriges Telekom-Papier zuletzt vor fünf Jahren.

Damals hatte die Telekom von den Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Fitch die Bonitätsnote "BBB+" und von Moody's ein noch zwei Stufen darunter liegendes "Baa3". Analysten halten es zwar für wahrscheinlich, dass die Agenturen die Ratings von derzeit "A-" und "A3" um eine Stufe auf dann "BBB+" und "Baa1" senken. Diese schlechteren Ratings spiegelt die Rendite aber schon jetzt wider.

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