Bulle & Bär
Eine Liga für sich

Wenn die Stimmung gut bleibt, hat der Nebenwerteindex MDax die psychologisch wichtige Schwelle von 10 000 Punkten nachhaltig geknackt. Damit steigt er weit vor dem Deutschen Aktienindex (Dax) in die Liga der fünfstelligen Indizes auf, der mit dem amerikanischen Dow Jones und dem japanischen Nikkei zwei der wichtigsten weltweiten Börsenbarometer angehören.

DÜSSELDORF. Dass der MDax den Schritt in die erste Klasse der Indexwelt tatsächlich schafft, war seit einiger Zeit abzusehen; dennoch waren kaum Klagen über heiß gelaufenen Nebenwerte zu hören. Dabei sind die Risiken groß. Bereits seit sechs Jahren laufen die Nebenwerte besser als der Dax. Allein in den vergangenen drei Jahren hat der MDax seinen Wert mehr als verdoppelt, die Standardwerte kamen im selben Zeitraum nur auf ein durchschnittliches Plus von rund 60 Prozent. Vor wenigen Tagen notierte der MDax zum ersten Mal und als erster wichtiger deutscher Aktienindex überhaupt für kurze Zeit über 10 000 Punkten – und am Mittwoch knackte er die Marke erneut.

Während in den vergangenen Jahren aber immer wieder warnende Stimmen zu hören waren, will momentan kaum ein Stratege etwas vom Ende der Nebenwerte-Rally wissen. Noch immer gelten die Mid-Caps als dynamischer, spezialisierter und profitabler. Zudem werde der MDax häufiger durchgemischt, da durch Übernahmen oder Fusionen Platz für Neulinge geschaffen wird. Neue Mitglieder wie beispielsweise der Stahlhändler Klöckner & Co sollen dann für zusätzlichen Schub sorgen.

Dies alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nebenwerte inzwischen alles andere als günstig sind. So haben die Strategen der DZ-Bank errechnet, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des MDax bei 17,3 auf Basis der geschätzten Gewinne für 2007 liegt. Damit liege die Überbewertung gegenüber Standardpunkten bei rund drei Punkten, das sei wieder so viel wie zuletzt vor rund vier Jahren, heißt es.

Hinzu kommt, dass zuletzt vor allem Einzeltitel den MDax angetrieben haben. So profitierte der Index von der Übernahmeschlacht um den Messgeräte-Hersteller Techem, den Fusionsspekulationen um den Baukonzern Hochtief und dem kräftigen Kurssprung des Premiere-Papiers. Falls es in Zukunft um die einzelnen Werte wieder ruhiger wird, könnte dies auch die Entwicklung der Nebenwerte nachhaltig belasten.

Ein fünfstelliger Indexstand allein ist daher kein Kaufargument, sondern eher ein Warnsignal. Denn wenn es an den weltweiten Aktienmärkten zu der längst überfälligen Korrektur kommt, werden auch die Nebenwerte nicht verschont. Vieles spricht sogar dafür, dass sie – wie auch nach der zurückliegenden Boom-Phase an den Börsen – besonders stark betroffen sein werden. Denn langfristig wird die Überbewertung gegenüber den Standardwerten mit Sicherheit wieder ausgeglichen – und momentan wohl eher durch einen Kursrutsch bei den Mid-Caps als durch einen kräftigen Aufschwung des Dax.

gastautor@handelsblatt.com

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