Bulle & Bär
Eine Supermacht wird zur Lachnummer

Das hatte sich Timothy Geithner anders vorgestellt: Als der US-Finanzminister kürzlich vor chinesischen Studenten an der Universität in Peking sagte, dass US-Anlagen völlig sicher seien, lachten diese ihn lauthals aus. Nicht der einzige Fall, dass die Supermacht zur Lachnummer verkommt.

FRANKFURT. Finanzfachleute wissen, dass die Chinesen Hunderte von Milliarden Dollar ihrer Währungsreserven in amerikanischen Staatsanleihen investiert haben. Allerdings explodieren die US-Schulden in der Finanzkrise dramatisch. Das gefährdet die Kurse der US-Bonds und den Dollar – deshalb lachten die Studenten den Minister der Weltmacht aus.

Der Bundesstaat Kalifornien unter Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat schon einmal einen Vorgeschmack gegeben, unken die Skeptiker. Das Küstenland ist pleite, es muss sich mit der Ausgabe von Schuldscheinen über Wasser halten.

Zwei bekannte Finanzexperten stoßen ins gleiche Horn. Großinvestor Jim Rogers, bekannt auch durch seine Prognose der Rohstoffhausse vor vielen Jahren, macht erneut Stimmung gegen den Dollar und US-Anleihen. Seiner Meinung wird die explodierende Verschuldung das Vertrauen der internationalen Anleger in den Greenback und die Treasuries untergraben. Er spekuliert deshalb auf fallende Kurse für die Währung und die Anleihen.

Ähnlich denkt Vermögensverwalter Marc Faber in Hongkong. Der hält in der Neuen Welt eine Hyperinflation nach Vorbild Zimbabwes für unvermeidlich. Der afrikanische Staat geht mit einer Inflationsrate von über 200 Millionen Prozent in die Geschichtsbücher ein. Laut Faber wird die amerikanische Notenbank nach der Überflutung des Finanzsystems mit Geld gar nicht mehr in der Lage sein, diese Kapitalmengen wieder einzufangen. Massive Geldentwertung wäre die Folge.

Gegenwärtig erwarten die Ökonomen eine baldige Wirtschaftserholung. Sollte sie ausbleiben, dürften die Aktienmärkte noch einmal fallen und spiegelbildlich Anleihen von der steigenden Unsicherheit profitieren. Dann müssten Rogers und Faber auf das Eintreten ihrer ungemütlichen Szenarien wohl noch warten. Aber ob nun mit baldiger oder später Erholung: Gefährlich ist die Lage allemal.

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