Bulle & Bär
Emerging Markets: Zurück in die Zukunft

Warum denn in die Ferne schweifen? Anleger stehen vor der Frage, ob sie Geld in problembeladene Industriestaaten oder blühende Schwellenländer stecken sollen. Einst noch bestehende Hürden für solche Investments sind in den sogenannten Emerging Markets beiseite geräumt – teilweise zumindest.

FRANKFURT. Im Zeitalter der Globalisierung erscheint die Welt kleiner als sie ist. Daten und Fakten über Unternehmen in China oder Indien stehen ebenso rasch und detailliert zur Verfügung wie über Daimler oder Microsoft. Vor dem Hintergrund des riesigen Wachstumspotenzials der Schwellenländer setzte zu Beginn des Jahrtausends ein großer Kapitaltransfer aus den Industrieländern in die Emerging Markets ein. Der MSCI EmMa-Aktienindex schoss dank der Wachstumsphantasie zwischen September 2001 und November 2007 um 450 Prozent in die Höhe. In der gleichen Zeit legten der MSCI-Weltindex und der S&P 500 je 70 Prozent zu.

Der globale Wohlstandstransfer setzte in den ärmeren Ländern neue Kräfte frei. Haussierende Rohstoffpreise sorgten für einen weiteren Wohlstandsschub. Heute ist der Kapitalzufluss aus dem Ausland für einige dieser Länder keine Voraussetzung für Reichtum mehr. China und Indien sind „Fabrikhalle und IT-Dienstleistungszentrum der Welt“. Heute sitzen sie auf gigantischen Devisenreserven, die die Notwendigkeit von Kapitalimporten verringern. Zudem ist hier ein riesiger Binnenmarkt entstanden.

Der Rohstoffboom hat vielen Schwellenländer hohe Kapitalreserven beschert. Im Zuge der Ölhausse von 10 auf 147 Dollar je Barrel in diesem Jahrzehnt wurde gigantisches Vermögens aufgebaut. Dieses Kapital sucht nach globalen Anlagezielen. Die Staatsfonds investieren nicht nur im eigenen Lande, sondern auch in den Industrienationen. Dies erinnert zum einen an die Grundsätze der Kapitalanlage, nämlich eine breite Streuung des Vermögens, was die Risiken senkt.

Andererseits ist diese Anlagepolitik auch mit dem Wissen um oft mangelhafte rechtliche und auch organisatorische Strukturen der Kapitalmärkte in Schwellenländern sowie den zunehmenden Überhitzungs- und Inflationsgefahren zu erklären. Der Run der Staatsfonds auf populäre Firmen in Industrieländern ist auch Ausdruck des Glaubens, dass die westliche Welt ihre durch den Vollgas-Kapitalismus in den USA ausgelösten riesigen Probleme in den Griff bekommt. Internationales Kapital setzt also wieder auf bewährte Strukturen der Industrienationen.

Die Aktienindizes reflektieren das Umdenken: Der MSCI-Weltindex liegt 22 Prozent, der MSCI-EmMa-Index 34 Prozent unter dem Hoch. „Die Aktienmärkte der Industrieländer sind attraktiver als die der Schwellenländer“, sagt Quirighetti Fabrizio von der Banque Syz. Stuart Winchester von der Allianz-Tochter RCM denkt ähnlich. Er gewichtet Japan-Aktien in seinem Asien-Fonds über. „Tokios Börse wird in den kommenden Jahren die positive Überraschung sein“, sagt er.

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