Bulle & Bär
Endlich drüber

Endlich! Sieben Jahre, vier Monate und sechs Tage hat es gedauert, jetzt hat der Deutsche Aktienindex (Dax) sein damaliges Allzeithoch von 8 136 Punkten endlich geknackt. 8 151 Punkte waren es am Freitag gleich nach Handelsbeginn.

FRANKFURT. Wie in Stein gemeißelt erschien die Marke lange Zeit, unerschütterlich und fest. Gleichzeitig auch als Symbol für eine Phase des kollektiven Überschwangs an den Börsen, die sich so nicht mehr wiederholen darf. Hatten viele andere Leitindizes weltweit längst wieder die Marken von damals genommen, so herrschte am deutschen Aktienmarkt bis dato eher die Angst, dass mit Überschreiten dieser Schwelle wieder der Absturz folgen könnte.

Der wird nicht kommen, zumindest nicht in der Form von damals, als viele Kurse der Realität weit entschwunden waren und auf Fantasie fußten. Selbst vorsichtige Naturen sehen keine Anzeichen für eine Überhitzung. Die Optimisten sprechen sowieso über Prognosen von 9 000 oder gar 10 000 Punkten in den nächsten beiden Jahren.

Eine Überraschung ist es jedenfalls nicht, dass das deutsche Marktbarometer nun im vierten Anlauf seit Ende Mai über die alte Hürde gegangen ist. Spätestens im Juni, als sich der Dax bis auf vier Punkte an die alte Marke heran gerobbt hatte, galt es nur noch als eine Frage der Zeit, wann das alte Allzeithoch endlich fallen würde. Es ist viel mehr erstaunlich, wie schnell die Aktienmärkte die bis zur Wochenmitte noch belastende Krise am US-Immobilienmarkt weggesteckt hat. Hervorragende Einzelhandelsdaten und stets neue Fusionsfantasien haben die kurze Depression geradezu weggefegt.

Damit ist die Subprime-Krise als belastendes Thema zwar nicht vom Tisch, sie bekam lediglich wieder die Dimension, die ihr gebührt: Als ein seit geraumer Zeit schwelendes Problem, das noch längst nicht ausgestanden ist, das aber nicht in der Lage sein wird, die internationalen Finanzmärkte in die Knie zu zwingen.

Keine Rolle spielt inzwischen auch der Ölpreis, selbst wenn der sich zuletzt bis auf 30 Cent an sein Allzeithoch vom letzten Sommer angenähert hat. Was damals noch extrem belastend für die Börsen wirkte, ist heute bestenfalls eine Randnotiz.

Zwei Konsequenzen ergeben sich daraus: Erstens strotzen die Börsen und die dort gelisteten Unternehmen noch immer vor Kraft. Die gerade begonnene Berichtssaison für das zweite Quartal zeigt schon zu Beginn, dass ein Großteil der Konzerne seine Prognosen wohl wieder übertreffen wird.

Zum zweiten ist die Zeit der Sommerlöcher an den Börsen endgültig vorbei. Geld wird verdient, wenn die Kurse steigen oder fallen, nicht in monatelangen Seitwärtsbewegungen. Das gilt gerade bei einer immer komplexeren Finanzindustrie. Am Auf und Ab der letzten Woche hat diese sehr viel Geld verdient.

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