Bulle & Bär
Endlich wieder gute Nachrichten für Merck

Der amerikanische Pharmagigant Merck spielt auf Risiko. Für 1,1 Milliarden Dollar hat das Unternehmen aus New Jersey die bis dato weitgehend unbekannte Biotechfirma Sirna Therapeutics aufgekauft. Sirnas Spezialität ist die angesagte neue Medikamentengruppe namens RNAi – für ihre Forschung auf diesem Gebiet erhielten zwei US-Forscher vor wenigen Wochen den Nobelpreis in Medizin.

HOUSTON. RNAi-Anwendungen zielen darauf ab, bestimmte Gene ruhig zu schalten und damit Krankheiten wie Krebs zu bekämpfen, ohne gesunde Zellen in Mitleidenschaft zu ziehen. Merck und andere Pharmakonzerne erhoffen sich von den RNAi-Technologien daher viel versprechende Behandlungsmöglichkeiten in einem riesigen und lukrativen Anwendungsgebiet.

Allerdings: Von der Marktreife sind Sirnas Produkte noch mehrere Jahre entfernt. Kein einziges Medikament hat bisher den Sprung aus dem Labor in die Apotheken geschafft. Ob und wann sich Mercks Rieseninvestition tatsächlich auszahlen wird, steht also noch in den Sternen. Kritiker der Übernahme fühlen sich bereits an den Kauf der Biotechfirma Rosetta erinnert, die seit fünf Jahren zu Merck gehört und dem Konzern nach Ansicht vieler Analysten bisher immer noch keine handfesten Erfolge geliefert hat.

Trotzdem reagierten die US-Analysten, ohnehin versöhnlich gestimmt durch Mercks gutes Quartalsergebnis, überwiegend positiv auf die Nachricht. Der Schritt wird als „kluger Schachzug“ bezeichnet, mit dem Merck Weitsicht demonstriere. Schließlich bringt der Deal Merck eine gehörige Portion Know-how.

Der Schritt stärkt Merck vor allem im Kampf um die Spitzenposition, denkt man an die auslaufenden Patente und die wachsende Konkurrenz durch billige Generika-Medikamente. Experten vermuten daher auch, dass Mercks Hauptinteresse an der Sirna-Übernahme die Krebsforschung sei. Und auf diesem Gebiet hat der Konzern jüngst einen weiteren Erfolg verbucht: Noch bevor Mercks neuer Impfstoff Gardasil überhaupt auf dem Markt ist, hat die amerikanische Regierung ihn bereits auf eine Liste von subventionierten Medikamenten gesetzt. Dies birgt riesige zusätzliche Marktchancen. Denn dadurch steht die Impfung auch einkommensschwächeren Bürgern in den USA zur Verfügung. Das Medikament verhindert die Infektion mit dem Papillomavirus (HPV), das bei Frauen Gebärmutterkrebs auslösen kann.

Nach einem Jahr voll durchwachsener Schlagzeilen durch die Vioxx-Strafprozesse gibt es also endlich wieder gute Nachrichten für Merck. Der Aktienmarkt belohnte den Konzern vorvergangene Woche mit einem neuen Jahresbestpreis von mehr als 46 Dollar pro Aktie – und liebäugelt mit weiteren Zuwächsen. Es bestehen also gute Chancen, dass die Aktie ihren im Juni gestarteten Kletterkurs weiter fortsetzen kann.

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