Bulle & Bär
Erdgas: Gespenst zu Weihnachten

Kaum deutet sich für den europäischen Verbraucher dank fallender Rohölnotierungen mittelfristig auch eine Entspannung bei den Gaspreisen an, da droht schon wieder ein neues Schreckgespenst: die "Gas-Opec". Allein der Begriff lässt die Haare sträuben.

MOSKAU. Da schwingt viel mit - Kartell, Preisabsprache, Marktmacht. Just einen Tag vor Weihnachten treffen sich 16 gasexportierende Länder in Moskau, um ihr bisher lockeres Bündnis zu einer Organisation zu schmieden. Frohes Fest?

Im Jahr 2001 hatten sie vor allem auf Betreiben Russlands ein loses Forum ins Leben gerufen (GECF). Das traf sich bisher meist einmal im Jahr, um über den Gasmarkt zu reden. Russischen Gas-Lobbyisten wie dem Politiker Walerij Jasew war das nicht genug: Die Produzenten sollten sich enger zusammenschließen, so sein Tenor. Darin stimmte Russlands starker Mann, Wladimir Putin, gerne mit ein. Jetzt soll es nun soweit sein: Das Forum wird ein Statut bekommen und so zu einer Organisation gedeihen, mit ordentlichen Mitgliedern und vielleicht gar einem Generalsekretär.

Bereits vor einem Jahr hatten die beteiligten Länder eine Expertengruppe aufgestellt, die überprüfen sollte, wie man den gemeinsamen Verbund stärken könnte. Ob nun die Frage nach der Preisgestaltung, nach dem Verhältnis zwischen Produzenten und Abnehmern, aber vor allem auch die kostspielige Infrastruktur - Themen gibt es genug, bei denen sich die Interessen berühren.

Russland reicht das aber offenbar immer noch nicht aus - mit den anderen zwei größten Gasproduzenten der Welt, Katar und Iran, will der Kreml eine "Gas-Troika" formen. Deren Gründungsakt hat sich nun aber wegen unterschiedlicher Vorstellungen der Beteiligten auf das kommende Jahr verschoben.

In Zeiten einer globalen Wirtschaftskrise gehen auch die großen Energieexporteure gerne auf Tuchfühlung. Ihr Geschäft verspricht zwar gigantische Gewinne, es ist aber auch sehr kostspielig. Viel können sie derzeit aber auf dem Gasmarkt nicht bewegen. Die "Gas-Opec" ist noch ein Gespenst. Anders als beim Öl hat sich für Erdgas bisher kein globaler Markt entwickelt, den tägliche Notierungen treiben. Hinzu kommt: Keiner der großen Erdgasproduzenten verfügt derzeit über Reserven die dazu dienen könnten, den Markt zu beeinflussen. Die Gasförderung lässt sich auch nicht so regulieren wie eine Ölquelle. Das teure Gut kommt zudem überwiegend in Pipelines zu seinen Kunden. Und deren kostspieliger Bau und Betrieb verlangt nach langfristigen Verträgen. Raum für Flexibilität gibt es in diesem System kaum.

Also: Schreck lass nach. Ist der Festakt vor Weihnachten in Moskau dann nur eine schlappe Vereinsgründung? Die neue Organisation hat im Augenblick zwar keine Zähne. Doch die Produzentenländer sehen auch, wie ihre Kunden immer enger zusammenrücken und ihre Interessen aufeinander abstimmen. Die Nachfrage nach Erdgas steigt zudem stark an, der Markt wächst und da dürfte auch der Wunsch steigen, "Claims" abzustecken: Wer liefert wie wohin?

Und wer sagt, dass es für immer bei der Koppelung von Öl- und Gaspreisen bleiben wird? In den nächsten Jahren wird sich daran wohl nichts ändern. Doch wenn der Tag X kommt, wollen die Förderländer vorbereitet sein. Das Gespenst "Gas-Opec" könnte dann sehr schnell Realität werden.

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