Bulle & Bär
Erotik-Aktien: Ende der Bunny-Parties

Es muss schlimm stehen um den US-Medienkonzern Playboy Enterprises. So schlimm, dass aus Hugh Hefners Playboy-Mansion anstelle von Party-Geplauder und den neuesten Bunny-Nachrichten die Gerüchte wabern, der Konzern wolle dem Partytreiben aus Kostengründen ein Ende bereiten.

DÜSSELDORF. Schließlich zahlt der seit 1971 börsennotierte Playboy-Konzern die Betriebskosten der berühmten Villa in den Hügeln von Beverly Hills. Die Sparmaßnahmen wären nachvollziehbar, denn der Playboy-Konzern steckt in Schwierigkeiten. Binnen eines Jahres hat sich die Aktie mit einem Kurs von zuletzt 4,25 US-Dollar mehr als halbiert, die Umsätze sinken, und im zweiten Quartal 2008 fiel gar ein Verlust von sechs Cent je Aktie an.

Nicht nur der tiefe Fall der Playboy-Aktie, für die 1999 noch 32 US-Dollar bezahlt wurde, widerspricht der oft rezitierten Börsenlogik, nach der Erotik-Aktien immer Konjunktur hätten oder gar krisenresistent wären. Auch alle anderen Erotik-Aktien erweisen sich seit Jahren als Geldvernichter, weil sie Auflagenverlusten und der Kannibalisierung durch das Internet nichts Wesentliches entgegen zu setzen haben.

Immerhin einen gewissen Unterhaltungswert lieferten in den vergangenen Jahren australische Erotik-Aktien, die es zeitweilig bis in deutsche Publikumszeitschriften schafften. Das 2004 an die Börse gebrachte Bordell Planet Platinum notiert inzwischen bei einem Cent und damit dem gleichen Kurs, zu dem der aus einer Mantelspekulation hervorgegangene, hochdefizitäre Onlineversand adultshop.com gehandelt wird. Auch Beate Uhse-Aktien nähern sich nach einem Kursverlust von 90 Prozent binnen fünf Jahren auf zuletzt 1,10 Euro bedrohlich dem Papierwert ihrer effektiven Stücke. Auch die spanische Private Media Group steckt tief in den roten Zahlen, die Aktie notiert mit 0,67 Euro auf einem Allzeittief. In ähnlichen Kursregionen bewegt sich mit 0,76 Euro die Aktie der TMC Content Group, einem Unternehmen, das 2002 unter dem Namen Erotic Media AG den Gang auf das deutsche Börsenparkett wagte und zeitweilig bei über zehn Euro notierte.

Unter den notorischen Tieffliegern an der Börse ist allenfalls die Playboy-Aktie für hartgesottene Spekulanten einen Blick wert, sofern sie einen Totalverlust verkraften können. Das Unternehmen verfügt über einen starken Markennamen, ist an der Börse aber nur noch mit umgerechnet 100 Mill. Euro bewertet. Mit 4,25 US-Dollar notiert die Aktie derzeit unter ihrem Buchwert von fünf US-Dollar je Aktie und war zuletzt Ziel von Spekulanten, die auf fallende Kurse setzten: Rund zehn Prozent der 21 Millionen frei handelbaren Aktien sind derzeit leer verkauft. Um diese Menge wieder zurück zu kaufen, benötigen die Leerverkäufer den durchschnittlichen Handelsumsatz von zwölf Börsentagen. Das birgt Chancen auf eine kurze und scharfe Kurserholung. Den Beweis, langfristig Mehrwert für Aktionäre bieten zu können, bleibt die Branche indes weiter schuldig.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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