Bulle & Bär
Erst kommt die Branche

Wer sich in diesen Tagen Gedanken über die guten Vorsätze für 2008 macht, kommt als Börsianer um ein Thema nicht herum: Das Depot muss im nächsten Jahr gründlich aufgeräumt und vor allem zukunftssicher aufgebaut werden.

DÜSSELDORF. Dazu haben Anleger noch bis zum 31. Dezember 2008 Zeit, denn nur für Wertpapiere, die bis zu diesem Stichtag im Depot liegen, gewährt der Fiskus Bestandsschutz vor der Abgeltungsteuer auf Kursgewinnen.

Auf der Suche nach der optimalen Verteilung des Aktienvermögens denken die meisten Anleger vor allem in Ländern und Regionen: Welcher Anteil entfällt auf deutsche und europäische Aktien? Sollte man Schwellenländer in Zeiten der Globalisierung besser drastisch übergewichten und dafür US-Papiere eher meiden?

Langfristig führen diese Überlegungen in die Irre. Statt sich zu viele Gedanken über die Aktienallokation in Länder und Regionen zu machen, sollten sich Anleger besser stärker mit der Verteilung des Vermögens über die verschiedenen Branchen beschäftigen.

Dafür sprechen drei Gründe: Erstens nehmen weltweit die Korrelationen zwischen den Anlageregionen immer stärker zu. Der Beginn dieses übergeordneten und bis heute gültigen Trends der immer stärkeren Abhängigkeit der Aktienmärkte untereinander lässt sich präzise auf den Crash vom Oktober 1987 terminieren. An diesem Trend dürfte sich künftig wenig ändern, denn die Globalisierung der Absatzmärkte der Konzerne sowie der internationalen Kapitalströme hält unvermindert an.

Zweitens verhält es sich mit den Branchen genau umgekehrt: die Korrelationen der Branchen untereinander nehmen seit 20 Jahren eher ab. Das heißt, für die notwendige Diversifikation leistet eine Verteilung des Vermögens über verschiedene Branchen - etwa Konsumgüterhersteller, Rohstoffaktien, Banken, Autotitel - immer wertvollere Dienste.

Drittens lohnt sich die nähere Beschäftigung mit einer Diversifikation über Branchen denn über Regionen auch aufgrund der Ungleichgewichte in den gängigen Indizes und damit auch den meisten Fonds, die ihnen folgen. Im europäischen Stoxx-50-Index haben Finanzwerte ein Gewicht von rund 35 Prozent. Der S&P-500-Index wird dominiert von Energie- und Finanzwerten, während die meisten Schwellenländerindizes noch immer stark von den Rohstoffpreisen abhängig sind.

Wer also 2008 dazu nutzen will, ein Depot für die Ewigkeit aufzubauen, um steuerschädliche Umschichtungen zu vermeiden, tut gut daran, bei der Wahl von Aktien und Fonds für einen soliden Branchenmix zu sorgen und sogenannte Klumpenrisiken zu vermeiden. Statt den fünften Schwellenländerfonds ins Depot aufzunehmen, lohnt es sich, einen Blick vor allem auf jene Branchen zu werfen, deren Kurse in den letzten Jahren relativ schwach gelaufen sind: Pharmatitel, Tourismusaktien, Gesundheitswerte, Telekompapiere, aber auch Technologie- und Medien passen in dieses Raster.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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