Bulle & Bär
Euro Stoxx 50: Kurzer Prozess

Die Meldung war unauffällig, kam aber nicht ganz unerwartet. Der Indexbetreiber Stoxx ändert für seine beiden wichtigsten europäischen Indizes Euro Stoxx 50 und Stoxx 50 die Regeln.

FRANKFURT. Statt sich bisher einmal im Jahr Anfang September Gedanken zu machen, ob die 50 enthaltenen Werte noch zu den größten und liquidesten in der Euro-Zone bzw. in Europa gehören, soll künftig eine zweimonatige Schwächephase einer Aktie für den sogenannten "Fast Exit" genügen. Indexbetreiber Stoxx nennt die neuen Regeln die konstante Weiterentwicklung seiner Indexwelt. Tatsächlich hat man wohl nur der Forderung vieler Investoren nachgegeben, die eine Fast-Exit-Regel seit langem fordern.

Schließlich sind auch die Indexbetreiber Getriebene einer der rasantesten Veränderungen, die es jemals an den Börsen gegeben hat. Die meisten Aktien haben in den vergangenen Monaten dramatisch an Wert verloren. Einige Unternehmen, die vor zwei Jahren noch zu den größten und liquidesten an der Börse gehörten, sind praktisch bedeutungslos geworden. Gemäß der alten Regeln muss ein solches Unternehmen im Extremfall bis zu einem Jahr im Index mitgeschleppt werden.

Aus und vorbei. Wer künftig zwei Monate hintereinander auf Platz 75 oder schlechter der jeweils am Monatsanfang erscheinenden "Selection List" steht, fliegt raus. Umgekehrt kommt der Bestplatzierte von denen, die noch nicht im Index sind rein. Ab April könnten die Regeln theoretisch Monat für Monat am jeweils sechsten Handelstag in die Tat umgesetzt werden.

Die ersten Kandidaten, die dem neuen Regelwerk zum Opfer fallen, stehen bereits fest. Im für die Euro-Zone maßgeblichen Euro Stoxx 50 wird es mit großer Wahrscheinlichkeit die angeschlagene belgische Bank Fortis treffen, vielleicht sogar den französischen Autobauer Renault, hat Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg errechnet. Dafür dürfte höchstwahrscheinlich der Bier-Fabrikant Anheuser-Busch Inbev einziehen, während um den zweiten freien Platz noch CRN, Ahold, Unibail-Rodamco und die Deutsche Post rangeln.

Im Stoxx 50, dem auch britische und Schweizer Aktien angehören, ist der Abschied der Royal Bank of Scotland schon jetzt so gut wie besiegelt. Auch Barclays muss sich Sorgen machen. Dafür haben deutsche Kandidaten beste Chancen, nach oben aufzurücken. Mit VW, RWE und Münchener Rück rangeln gleich drei deutsche Bewerber mit dem französischen Konzern Vivendi um den Aufstieg.

Gewinner der neuen Regeln sind auf den ersten Blick eindeutig die Anleger, die nun die Gewähr haben, stets einen realistischen Überblick über die tatsächlich größten und liquidesten Werte zu bekommen. Offen bleibt die Frage, wie sich das neue Wechselspiel mit den damit verbundenen erhöhten Transaktionskosten auf die Preise der vielen Fonds auswirkt, die beide Indizes nachbilden. Dann wird sich zeigen, ob mehr Realitätsbezug auch deutlich mehr kostet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%