Bulle & Bär: Exodus der Kleinaktionäre – Leider!

Bulle & Bär
Exodus der Kleinaktionäre – Leider!

Wieder so eine Phase an der Börse, in der man nicht weiß, wie es weitergeht, werden viele Kleinanleger wohl im Moment denken. Wo doch die Experten gerade noch von „der besten aller Welten“ gesprochen haben. Und nun das: Wie aus dem Nichts verliert der Dax innerhalb von zwei Tagen mal locker fünf Prozent.

FRANKFURT. Gut, dass man sich diesmal nicht hat blenden lassen und gleich gar keine Aktien gekauft hat. In der Tat dürfte der Kursrutsch der letzten Tage vielen Kleinanlegern reichlich egal gewesen sein. Meiden die Deutschen doch Aktien noch immer weitaus stärker als viele andere Nationen.

Beispiele gefällig? Die Zahl derjenigen hier zu Lande, die direkt in Aktien investieren, ist im vergangenen Jahr um 500 000 auf 4,2 Millionen zurückgegangen, wie vor kurzem erst das Deutsche Aktieninstitut (DAI) mitteilte. Nicht viel besser ist die Situation bei Neuemissionen. Ein Unternehmen, das im Moment an die Börse will, wendet sich meist nur noch an Kleinanleger, um die Form zu wahren. Wohl wissend, dass deren Anteil anschließend meist ohnehin nur im prozentual einstelligen Bereich liegen wird.

Wer all diese Entwicklungen verfolgt, bekommt den Eindruck, die Aktie werde über kurz oder lang nur noch zum Anlageobjekt für Großinvestoren. Für Kleinanleger ist sie kaum noch von Interesse. Ganz Unrecht haben die Vertreter dieser These nicht.

Zwei Entwicklungen tragen dazu bei: Zum einen waren viele Kleinaktionäre auch in der zuletzt extrem guten Börsenphase noch immer übervorsichtig. Produkte, die mit einem Mindestmaß an Absicherung aufwarten konnten, kamen dagegen an. Die derzeit boomende Zertifikate-Branche versteht diesen Zustand extrem gut zu nutzen. Wenn in zwei Wochen die Anlegermesse Invest in Stuttgart wieder ihre Pforten öffnet, wird der Großteil der Aussteller aus dieser Branche kommen. Für die eigene Aktie wirbt auf dem Stelldichein der Kleinanleger dagegen kaum ein Unternehmen.

Zum zweiten verfolgen viele Kleinaktionäre derzeit mit einer Mischung aus Kopfschütteln und Ungläubigkeit, was mit vielen Aktiengesellschaften passiert. Beteiligungsgesellschaften und Hedge- Fonds greifen dort immer öfter in die Strategie ein. Obwohl damit oft auch Kurssteigerungen einhergehen, verschreckt dieses Vorgehen zumeist die verbliebenen Kleinaktionäre.

Auch die Übernahmewelle, die seit Jahren weltweit quer durch alle Branchen schwappt, ist nicht dazu angetan, bei Kleinanlegern für neues Vertrauen zu sorgen. Ganz im Gegenteil: Gibt es mein Unternehmen morgen noch in dieser Form oder werde ich wie bei vielen Beispielen zuletzt via Abfindung herausgedrängt, fragen sich viele.

Dass die Zahl der Aktionäre hier zu Lande deshalb in Kürze spürbar steigen wird, ist unwahrscheinlich. Leider! Denn die Renditen, die diese Anlageform langfristig bringt, liegen gegenüber allen anderen Möglichkeiten noch immer an der Spitze.

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