Bulle & Bär: Exotenbörsen
Kuba, Castro und Cohiba

Fidel Castro machte viel Wirbel mit seinem Rücktritt als Staatschef Kubas. Einige mutige Börsianer sind dankbar. Sie wittern eine neue Ära mit neuen Anlagechancen. Es gibt ja auch nur noch wenige unerschlossene und weiße Flecken auf dem Börsenglobus.

Fidel Castro machte viel Wirbel mit seinem Rücktritt als Staatschef Kubas. Einige mutige Börsianer sind dankbar. Sie wittern eine neue Ära mit neuen Anlagechancen. Es gibt ja auch nur noch wenige unerschlossene und weiße Flecken auf dem Börsenglobus. Zu diesen No-Go-Areas gehören Nordkorea, Afghanistan, Irak, der Kongo und Simbabwe. Die Idee ist in allen Fällen die gleiche: Sollten sich diese leidenden Länder der Marktwirtschaft öffnen, wäre ein gewaltiger Aufschwung zu erwarten - mit großen Chancen für Investoren.

Kuba hat mit dem Abdanken des einstigen Revolutionshelden erste Signale einer Öffnung an die Außenwelt gefunkt. Eine sofortige Wende ist zwar undenkbar, denn die Macht ist an Castros Bruder übergegangen. Raoul Castro wird das Dritte-Welt-Land nicht über Nacht in einen von westlichen und freiheitlichen Denkstrukturen geprägten Staat transformieren. Aber die Veränderung nach Dekaden des Kommunismus lässt Börsianer zumindest hoffen. Und Börse lebt von Hoffnung.

Dreh- und Angelpunkt in diesem Positivszenario ist Nähe zum Staatsfeind Nummer eins, den USA. Bei einer Öffnung Kubas würden einige US-Unternehmen gute Geschäfte machen. Außerdem bevölkern zahlungskräftige Exil-Kubaner die Südküste der Vereinigten Staaten und warten nur auf ihre Chance. Es geht um weit mehr als bessere Verkaufschancen für die legendäre kubanische Zigarre, die Cohiba. Manche Firmen würden bei einer Aufhebung des seit 1962 bestehenden Handelsembargos der USA gegen das herunter gewirtschaftete Kuba ins Spiel kommen. In der Branchenperspektive kämen die Gewinner vor allem aus Tourismus, Schifffahrt, Infrastruktur und dem Rohstoffbereich.

Analysten spielen hier mit vielen Firmennamen. Sie nennen beispielsweise für die Tourismussparte Copa Holdings oder Royal Caribbean, im Schiffsbereich etwa Trailer Bridge oder Seaboard. Auch ganz große Gesellschaften stehen auf den Beobachtungslisten. Zu dieser Gruppe zählen der Zementhersteller Cemex und der Hausbauer Lennar.

Die meisten Aktien sind an amerikanischen Börsen notiert und damit auch deutschen Anlegern zugänglich. Allerdings müssen sich Investoren darüber klar sein, dass sie es mit einem nur elf Millionen Einwohner zählenden Land zu tun haben. Die Wette auf Kuba ist ein Nischenspiel. Und was einzelne Aktien angeht, werden nur kleinere Unternehmen den Kuba-Faktor in ihren Gewinnen spüren können.

Jenseits des Aktienkaufs gibt es kaum Optionen. Die Auflage eines spezialisierten Länderfonds ist noch kein Thema. Am schnellsten reagierte eine Bank. Die Société Générale legte jetzt das erste Kuba-Zertifikat auf. Es spiegelt die Wertentwicklung von 16 ausgewählten Aktien wider, denen eine Reformierung des Landes nutzen könnte. Bleibt nur zu hoffen, dass die Käufer nicht so lange auf eine gute Wertentwicklung warten müssen wie Castro herrschte: 49 Jahre.

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