Bulle & Bär
Exotische Anlagen mit Absturzgefahr

Investoren lieben exotische Aktien und vergessen dabei nur zu gern das Risiko. Papiere aus Emerging Markets bieten derzeit die bestmögliche Rendite, bestätigt eine aktuelle Studie. Doch privaten Investoren fehlt das nötige Profiwissen, um Risiken einschätzen zu können. Selbst Börsenprofis fällt die Auswahl schwer - wie Anleger Fehler vermeiden können.

FRANKFURT. Die Aktienspekulanten haben den gesamten Erdball erschlossen. Sie kaufen Papiere aus den hintersten Ecken Asiens, setzen auf Wachstumsbranchen in Afrika oder Lateinamerika. Auch auf der arabischen Halbinsel wollen sie unentdeckte Schätze heben. Die riskanten Investitionen in Schwellenländern haben Hochkonjunktur. Deren Realwirtschaft wächst noch immer stark. Für die Investoren sind zweistellige Renditen dort selbstverständlich.

Eine aktuelle Studie von Watson Wyatt Heissmann bestätigt: Aktien, Schuldverschreibungen und Währungen aus Emerging Markets bieten derzeit die bestmögliche Rendite. Vor allem die institutionellen Investoren nutzen exotische Geldanlagen, um ihre Vermögenswerte langfristig aufzubauen. Doch selbst den Börsenprofis fällt die Auswahl schwer. Institutionelle Investoren stehen vor hochkomplexen Entscheidungen sowie möglicherweise hohen Gebühren, wenn sie ein Portfolio in Schwellenländern zusammenstellen, schreibt der Autor der Studie Torsten Köpke.

Die Probleme der Profis liegen allerdings in der Natur der Sache. Denn die Aktienmärkte in Schwellenländern sind meist illiquide und nur wenigen Akteuren zugänglich. Erfolgreiche Investitionen erfordern einen hohen Informationsstand über die jeweilige Volkswirtschaft. Der Informationsvorsprung an schlechter entwickelten Börsen macht gerade die entscheidende Gewinnchance der Profis aus. Und auch deshalb kostet ein Schwellenland-Fonds eben mehr Gebühren als ein vergleichbares Produkt auf deutsche Aktien.

Für die privaten Investoren bieten die hiesigen Emittenten zahlreiche Indexpapiere auf exotische Regionen an. Mittlerweile können Anleger Zertifikate und passive Indexfonds (ETF) auf rund 60 Länder kaufen, darunter bereits Chile, Jordanien oder Pakistan. Die Produkte sind günstig: Managementgebühren fallen bei diesen Produkten so gut wie keine mehr an.

Und das Angebot wächst. Bald soll Kenia folgen. Dabei wird in Nairobi noch nicht einmal regelmäßig mit Aktien gehandelt. Die Börsenteilnehmer müssen ständig mit einem Ausfall der Handelssysteme rechnen.

Gerade deshalb eignen sich die exotischen Länder in Amerika, Asien und Afrika nicht für ein Engagement privater Investoren. Denn ihnen mangelt es am Expertenwissen über diese weit entfernten Länder. Sie verfügen nicht über den notwendigen Informationsvorsprung, wissen wenig über die Märkte und deren Abhängigkeiten von Banken und Regierungen. Meist wissen sie nicht einmal, wo die Aktien, die sie kaufen, wirklich notieren. Ein Großteil der exotischen Titel wird nämlich gar nicht in Nairobi, Santiago de Chile oder Amman gehandelt. Diese Börsen sind nicht zuverlässig genug. Es sind daher fast immer Broker an der New York Stock Exchange (Nyse), die die Kurse treiben.

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