Bulle & Bär
Explosive Mischung vom Bond-Guru

FRANKFURT. Er ist der Popstar am Anleihemarkt: Bill Gross. Der Bond-Guru des US-Anlagehauses Pimco hat sich auch dank meinungsfreudiger Börsenkommentare eine eigene Fangemeinde geschaffen. Derzeit teilt er Beruhigungspillen aus. Alles nicht so schlimm mit den anziehenden Anleiherenditen der vergangenen Jahre, besänftigt der Stratege. Schließlich werde die amerikanische Konjunktur abschlaffen – der schwächelnde Häusermarkt lässt grüßen. Deshalb dürften die Renditen wieder fallen. Gross gibt dem Markt vor seiner endgültigen Wende noch ein paar Jahre Gnadenfrist.

Endgültige Wende? Die Zeit ist reif für einen langfristigen Trendwechsel, für ein „Once-in-a-lifetime-event“, wie die Angelsachsen formulieren. Nur wenige Anleger können sich noch bewusst an jenen Tag im Herbst 1981 erinnern, als die zehnjährigen US-Renditen bei den aus heutiger Sicht unglaublichen 15,8 Prozent ihre lange Talfahrt antraten. Der Jahrhundert-Hausse ist ein Kapitel in den Börsenannalen gewiss. Vor drei Jahren war bei 3,1 Prozent Schluss. Seitdem geht es nach oben, bis auf fünf Prozent. Es keimten schon Ängste über ein Ende der Jahrhunderthausse. Da ist es schön zu hören, dass Meister Gross Entwarnung gibt.

Der Star könnte von der Wirklichkeit überholt werden – eher als ihm und seinen Fans lieb ist. Nicht nur der Gravitation wegen, die eine langfristige Durchschnittsrendite von siebeneinhalb Prozent auf Ausreißer ausübt. Auch dafür haben die Amerikaner dank ihres Finanzprofessors Robert Shiller übrigens die passende Vokabel: „Reversion to the mean.“ Gefahrenherd Nummer eins ist das fragile amerikanische Finanzsystem. Die Überschuldung und eine drohende Zurückhaltung ausländischer Großinvestoren bei Anlagen in Dollarwerten bilden zusammen mit steigender Inflation eine immer explosivere Mischung.

Eine kleine Minderheit unabhängiger Querdenker steuert Kollisionskurs mit der Mehrheit der Schönredner. Zur ersten Gruppe zählt Doug Casey. Der hier zu Lande kaum bekannte, aber in Insiderkrisen hoch angesehene Chef von Casey Research wägt die Optionen der US-Notenbank Fed ab. Entweder bekämpft ihr Lenker Ben Bernanke die absehbare Konjunkturschwäche und verabschiedet sich von der Zinserhöhungspolitik, oder er schiebt die Zinsen weiter nach oben, um die internationalen Anleger mit ihren Dollarinvestments bei Laune zu halten.

Casey hält die erste Variante für die wahrscheinliche. Aber dieses düstere Szenario verlangt Nervenstärke: Der Greenback läuft stramm nach unten, weil die ausländische Nachfrage nach Treasuries austrocknet, die Renditen schießen nach oben. Für Casey sind dann die erwähnten durchschnittlichen 7,5 Prozent nur ein Zwischenstopp. „Am Ende des Jahrzehnts sollten wir zum früheren Hoch zurückkehren“, warnt er.

Sicher ist das eine klare Außenseiterposition. Fast alle Analysten werden den Kopf schütteln oder gar mit dem Finger gegen ihn tippen. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass die Mehrheit schief liegt.

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