Bulle & Bär
Falsche Signale für Privatanleger

Der Fall Zumwinkel dürfte sich auch für die Altersvorsorge der Bundesbürger negativ auswirken. Denn derzeit hat wohl kaum ein Steuerpolitiker in Berlin den Nerv, sich einer Nachbesserung der Abgeltungsteuer anzunehmen - die die allermeisten Menschen in Deutschland direkt im Portemonnaie spüren werden.

FRANKFURT. Die Finanzlobbyisten zeigen sich zwar unbeirrt: Banken- und Fondsvertreter wollen die Abgeltungsteuer noch vor ihrer Einführung 2009 nachjustieren und setzen auf das angekündigte Jahressteuergesetz 2009. Doch wie viel Aufmerksamkeit können sie in Berlin gewinnen, wo es gilt, Steuerschlupflöcher in Milliarden-Höhe zu stopfen?

Für die Millionen Privatanleger im Land geht es bei der Abgeltungsteuer um nicht weniger als ihre finanzielle Ausstattung im Alter. Auf Nachbesserung der kritisierten Höhe des Abgeltungsteuersatzes von 25 Prozent (plus Soli) auf sämtliche Erträge aus Kapitalanlagen hoffen selbst die Lobbyisten nicht mehr. Doch der deutsche Fondsverband BVI etwa bleibt hartnäckig beim Thema private Altersvorsorge.

Zwar sollten sich Anleger aktuell keine Hoffnung darauf machen, dass das private Alterssparen mit hohen Freibeträgen gefördert wird wie etwa in Großbritannien. Auch der BVI, der sich lange für die Ausnahme langfristiger Fondssparpläne von der Steuer starkgemacht hat, ist bescheidener geworden. Jetzt bemühen sich die Fonds-Lobbyisten um eine Gleichstellung von Fondssparplänen mit Lebensversicherungen: Fondssparer sollen wie Lebensversicherte nur die Hälfte der Erträge mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern müssen, wenn ein Fondssparplan zwölf Jahre besteht und nicht vor dem 60. Lebensjahr ausgezahlt wird.

Dass Berlin in Sachen private Altersvorsorge nachbessern muss, gilt als unstrittig. Angesichts der dramatisch sinkenden gesetzlichen Rente reicht die bisherige Förderung für privates Alterssparen via Riester-Rente nicht aus. Die Rürup-Rente ist stark reglementiert und ausschließlich als Rentenversicherung auszahlbar. Die Abgeltungsteuer belastet das Sparen in Aktien und-fonds künftig spürbar: Der Fiskus behält von jemandem, der in 30 Jahren mit monatlich 100 Euro rund 200 000 Euro anspart, künftig gut 40 000 Euro ein - nämlich ein Viertel des aufgelaufenen Kapitalertrags. Eine daraus zu finanzierende monatliche Rente sinkt damit immerhin um rund 200 auf 800 Euro im Monat. Der Rahmen für das private Alterssparen muss weiter gesteckt werden, damit Anleger notwendige renditestarke Investments mit Aktien nicht zu sehr vernachlässigen.

Vorerst bleibt Anlegern, die geltende alte Steuerfreiheit für langfristige Kursgewinne bei Käufen in diesem Jahr zu nutzen und ihre persönliche Depotstruktur zu überprüfen. Da viele Anleger nach den jüngsten Börsenbeben kaum noch Aktien besitzen, sollten sie über eine Aufstockung ihrer Aktienquote nachdenken. Als Daumenregel gilt "Aktienquote gleich 100 minus Lebensalter". Kapital, das man 2008 entbehren kann, sollte ins Depot.

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