Bulle & Bär
Finanzaktien: Fannie gar nicht funny

Wie wird man Dollar-Millionär? Wenn man vor einem Jahr für 70 Millionen Dollar Aktien von Fannie Mae gekauft hätte. Die gab es zu rund 70 Dollar das Stück. Am Montag kollabierte sie zum Wall-Street-Start auf sage und schreibe einen Dollar. Das Desaster ist perfekt.

FRANKFURT. Am Wochenende hat sich der US-Staat die beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac einverleibt. Die Regierung musste eingreifen, um einen Kollaps der Giganten zu verhindern – mit unübersehbaren Folgen für das gesamte Finanzsystem. Fannie und Freddie garantieren rund die Hälfte aller amerikanischen Immobilien. Sie stehen für 5 200 Milliarden Dollar. Das ist selbst in Zeiten der Kreditkrise eine enorme Summe.

Die Börsianer reagieren auf die Meldung überraschend. Sie scheinen erleichtert, denn die Kurse springen zum Wochenauftakt munter nach oben. Banken- und Finanzwerte sind an den europäischen Handelsplätzen gefragt wie selten. Einige Experten reiben sich die Augen und fragen: Warum versetzt die radikale Verstaatlichung die Akteure in freudige Erregung? Fast könnte man meinen, ein Ende der Krise sei eingeläutet, die Immobilienpreise in der Alten Welt würden wieder steigen, die globale Wirtschaft nehme wieder Fahrt auf. Aber das ist nicht der Fall. Sämtliche Probleme eskalieren weiter.

Fachleute aus den USA rechnen vor, das in den vergangenen zwei Jahren die amerikanischen Hausbesitzer real und damit inflationsbereinigt 6 000 Milliarden Dollar verloren haben. Um diese Zahl etwas anschaulicher zu machen: Es wäre das gleiche, als wenn sechs Millionen Millionäre in zwei Jahren ihr gesamtes Vermögen verloren hätten. Der Verlust ist außerdem fünf Mal so groß wie der gesamte Markt an heiklen US-Hypothekenanleihen.

Und die Immobilienpreise dürften weiter fallen, die Zahl der Bankenpleiten weiter steigen. Das amerikanische Einlagensicherungssystem wird die nächsten Ausfälle kaum auffangen können und in der jetzigen Form daher kaum überleben. Laut Sprott Asset Management können sich die aktuellen Bankenverluste aus Abschreibungen in Höhe von 500 Milliarden Dollar leicht auf 2 000 Milliarden Dollar ausweiten – ziemlich leicht sogar, wie der kanadische Vermögensverwalter glaubt.

Zu den Skeptikern zählt auch Hugh Hendry, ein bekannter Londoner Hedge-Fonds-Manager. Er könnte sich damit begnügen, von Bankenwerten schlicht abzuraten. Das tut er aber nicht. Der Verwalter wagt die kühne Empfehlung: Diese Titel gehören für die nächsten zwei Jahrzehnte nicht ins Depot. Daran dürften sich auch die viel gerühmten Staatsfonds noch erinnern. Sie waren und sind kein Vorbild für Privatanleger. Die großen Fonds aus Singapur, Kuwait oder China haben den krisengeschüttelten Banken mit vielen Milliarden unter die Arme gegriffen – und sich eine blutige Nase geholt. In einem halben Jahr oder weniger verloren sie bei UBS, Barclays oder Merrill Lynch die Hälfte ihres Geldes.

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