Bulle & Bär
Finanzbranche rührt zum Jahresschluss die Werbetrommel

In den Kaufhäusern läuft der Endspurt für Heiligabend. Doch nicht nur Schmuck- und Parfumhändler hoffen auf Käufer in letzter Minute – auch die Banken setzen darauf, dass mancher Anleger einen Teil vom weihnachtlichen Geldsegen in ihren Filialen lässt.

DÜSSELDORF. In den Auslagen hat die Branche daher ein paar spezielle Weihnachtsprodukte platziert – nebst Nikoläusen, Rentieren und verschneiten Winterlandschaften. Allerdings ist bei solchen Angeboten Vorsicht geboten.

Der Jahresschlussverkauf ist für die Finanzbranche nicht neu. Meist dienen Gesetzesänderungen als Verkaufsargument. Typische Botschaften: Schnell eine Lebensversicherung abschließen, bevor Männer mehr zahlen müssen oder einen Baukredit beantragen, weil die Eigenheimzulage wegfällt.

Auch die Verkäufer innovativer Anlageformen lassen Weihnachten nicht werbefrei vorüberziehen. So bieten die Emittenten von Zertifikaten vielfältige Möglichkeiten, mit denen Anleger ihr Geld parken können. Zu den Vorreitern gehört die Deutsche Bank mit ihrer „Nikolausanleihe“. Diese ging seit Anfang Dezember so rasant über den Tresen, dass die Banker ein zweites Produkt mit gleichem Namen aufgelegt haben.

Gerechtfertigt ist der Kaufrausch jedoch nicht. Wie sich das Papier entwickelt, können Privatanleger kaum abschätzen, da die Verzinsung von einem Bündel von Risiken abhängt. Wer die Nikolausanleihe kauft, wettet auf den Kursverlauf von 25 Aktien aus Europa, Japan und den USA. In den ersten zwei Jahren erhält der Anleger je fünf Prozent Zinsen, danach wird ein Fünftel der Rendite der schlechtesten Aktie dazu gezählt – oder abgezogen, wenn die Aktie fällt. Schlimmstenfalls kann der Zins auf ein Prozent sinken. Die Mindestverzinsung beträgt damit 15 Prozent auf sieben Jahre und ist geringer als die Rendite einer Bundesanleihe. Im Internet geißeln Anleger das Zertifikat als „Abzocke“.

Nicht viel besser dürfte das Urteil über die „X-Mas Anleihe“ der WestLB ausfallen. Deren Mindestverzinsung von 1,25 Prozent ist mehr als bescheiden. Als zusätzliche Rendite verspricht die WestLB 20 Prozent der Gewinne des EuroStoxx 50. Im Boomjahr 2005 wären das 4,2 Prozent gewesen – ein Wert, den die Anleihe wohl kaum erreichen wird. Trotzdem verkauft sich das Festtagsprodukt prächtig. Auch weil sich die Bankberater mit der Verkaufsprovision das Weihnachtsmenü garnieren.

Weniger haarsträubend als die Angebote der Konkurrenz ist das „Flex Bonus Zertifikat“ der Hypo-Vereinsbank, das mit dem Foto einer niedlichen Robbe im Schnee vertrieben wird. Es basiert auf dem EuroStoxx 50 und zahlt einen Bonus, wenn zwei Kursschwellen während der Laufzeit nicht verletzt werden. Das Papier verkauft sich wie duftendes Gebäck. Diese Woche liegt bereits die dritte Tranche zur Zeichnung auf. Wer das Papier verschenken will, sollte aber beachten: Bei Nichtgefallen ist der Umtausch mit Verlusten verbunden.

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