Bulle & Bär
Finanzierung: Ein Plädoyer für die Aktie

Es ist schon fast pervers: Bei der Lösung der Weltwirtschaftskrise wird jene Finanzierungsform favorisiert, die die Keimzelle des Problems ist – der Kredit nämlich. Was ist mit der Aktie als Finanzierungsinstrument? Diese ist mit dem Crash der Kurse in Vergessenheit geraten – zu Unrecht.

FRANKFURT. Die Regierungen schütten Füllhörner über den Märkten aus und bieten der Wirtschaft Kredite, Darlehen, Garantien und Bürgschaften. Wer Benzin in ein durch Benzin ausgelöstes, vernichtendes Feuer gießt, zerstört möglicherweise auch das Fundament. Jedem in der Finanzwelt sind die Schwächen des Fremdkapitals bestens bekannt. Zumal die Kreditrückzahlung jener Generation aufgebürdet wird, die an der heutigen Situation nun wirklich keine Schuld trifft.

Was, so muss man sich fragen, ist eigentlich mit der Aktie als Finanzierungsinstrument? Mit dem Rutsch der Börsenkurse ist die Aktie als Mittel der Finanzierung in Vergessenheit geraten – zu Unrecht. Die Eigenkapital-Finanzierung über Aktien ist nicht nur deshalb das weit überlegene Modell, weil die Kosten für Unternehmen und auch für die Gesellschaft wesentlich niedriger sind. Wer als Politiker heute propagiert, die Aktie sei in diesem Umfeld ein untaugliches Modell, weil kein Anleger bereit sei, Risikokapital zur Verfügung zu stellen, der sollte zwei Mal nachdenken. Würde die Regierung für die Eigenkapital-Finanzierung Sonderwege in Form von Garantien und steuerlichen Anreizen schaffen, wären mit Sicherheit interessierte Bürger und Finanziers zu finden, die beim Wiederaufbau der Wirtschaft Risikokapital zur Verfügung stellen. Einen Versuch wäre dies allemal wert. Stattdessen lastet die Politik der nächsten Generation die Rückzahlung riesiger Schuldenberge auf, was die Volkswirtschaft über Jahrzehnte belasten und hemmen wird. Eine Finanzierung von Problemfirmen via Aktien käme nicht nur billiger, sondern wäre auch pädagogisch und volkswirtschaftlich sinnvoller.

Dass trotz Krise und Kreditklemme privates Beteiligungskapital en masse verfügbar ist, steht fest. Es kommt eben darauf an, dieses Kapital durch staatliche Anreize und Fördermaßnahmen entsprechend zu aktivieren. Private Anleger und Beteiligungsgesellschaften sitzen auf hohen Geldbeträgen. „Private Equity in seiner Ursprungsform ist die bei weitem überlegene Finanzierungsform, weil es Werte freisetzt und Wachstum initiiert“, bricht Erfolgsunternehmer und Professor am Insead in Paris Peter B. Zaboji eine Lanze für die Aktie.

Wie in vergangenen Krisenzeiten wird auch diese Krise bahnbrechende Ideen und innovative Produkte zutage fördern. Einer der Kandidaten, der gerade in dieser Krisen Zeit an die Börse strebt, ist die Thüringer Smartfiber. „Wir haben die Börse fest im Blick“, sagt Michael Kohne, Vorstand des trotz Krise boomenden Unternehmens, das auf Basis der Polymerforschung neue Fasern herstellt. Diese Kunstfasern weisen außergewöhnliche Eigenschaften bei der Klimaregulierung oder bei der Verminderung von Bakterien auf. Ideen wie diese werden überwiegend über Aktien finanziert.

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