Bulle & Bär
Finanzkrise: Das Billionen-Schlachtfeld

Multimilliardär Warren Buffett steigt bei der schlingernden Bank Goldman Sachs ein. Wenn der Superinvestor Milliarden locker macht, wittert er eine Chance. Aber seine mutige Tat verdeckt den Blick auf das eigentliche Schlachtfeld: In der Kreditkrise stehen Aberbillionen von Dollar im Feuer.

FRANKFURT. Die amerikanische Regierung will mit einem gewaltigen Rettungspaket von 700 Milliarden Dollar zu Hilfe eilen. Doch im Vergleich zu den vielleicht nötigen Summen könnten sich sowohl das Hilfspaket als auch die bisherigen Notoperationen als zu klein dimensioniert erweisen.

Das US-Analysehaus Weiss Research hat jetzt Horrorzahlen veröffentlicht. Ihre zugegebenermaßen sehr skeptischen Experten zählen im eigenen Land 1 637 Finanzhäuser mit Vermögenswerten von 3,6 Billionen Dollar als Wackelkandidaten. Ausgeschrieben offenbart die Zahl ihre monströsen Ausmaße: 3 600 000 000 000.

Den Weiss-Analysen zufolge sind 86 Institute mit Vermögenswerten von mehr als fünf Milliarden Dollar stark in das Geschäft mit heiklen Hypothekendarlehen verstrickt. Hier bleiben die übrigen Problemmärkte außen vor. Es schlummern Risiken in den amerikanischen Anleihen und in den von US-Banken gehaltenen Derivaten. Diese Märkte haben noch ganz andere Dimensionen: Sie sind 51 Billionen Dollar und 180 Billionen Dollar groß.

Solche Zahlen sind unvorstellbar groß. Anschaulicher werden sie für einen Europäer, wenn man beispielsweise 50-Euro-Scheine aneinander reiht. Dann könnte man das amerikanische Rettungspaket 28 Mal um den Äquator wickeln. Die Vermögenswerte der gefährdeten Banken würden für die Strecke Erde-Mond locker 17 Mal reichen. Das Derivatevolumen schafft es sogar bis zur Sonne und wieder zurück - und es bleibt noch genug übrig für zehn Mal Erde-Mond.

Es sind wahrhaft astronomische Verhältnisse. Da ist es kein Wunder, wenn Otto Normalverbraucher und Firmen immer misstrauischer gegenüber ihren Banken werden. Sogar untereinander leihen sich die Finanzinstitute nur noch ungern Geld.

Der Run auf sichere Anlagen erreicht abstruse Ausmaße, angereichert um eine tragikomische Note: Das Kapital flieht von den Banken zum Staat - obwohl dessen Schulden rasant steigen. So fielen die Renditen kurzfristiger US-Staatspapiere zeitweise unter Null. Für das hohe Gut Pleite-Sicherheit nahmen die Anleger sogar einen garantierten Verlust in Kauf. Zu groß war der Schock nach der Pleite von Lehman Brothers.

In Deutschland ist die Lage weniger brisant. Aber auch hier steigen die Sorgen. Einige Unternehmer ziehen Cash von ihrer Bank ab und deponieren es in kurzfristigen Staatstiteln. Manche Privatanleger suchen gleich die ultimative Lösung und kaufen Gold. Diese Investoren werden sich von Buffetts Mut kaum anstecken lassen. Das erscheint verständlich. Konservativen Naturen ist das Risiko einer weiteren Eskalation der Krise schlicht zu groß.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%