Bulle & Bär
Finanzkrise: Die Null als Renditeziel

Die schwelende Finanzkrise bleibt ein Thema für Insider. Das breite Publikum nimmt die Bedrohung kaum wahr. Doch die Ruhe ist trügerisch. Tatsächlich ist die Lage weit kritischer als noch vor einigen Wochen von vielen Experten angenommen.

FRANKFURT. Die Nachrichten über die Lage bei krisengeschüttelten Banken, darunter auch deutsche Institute, sind deutlich weniger geworden. Deshalb fordern manche Analysten von der US-Notenbank eine Senkung des Leitzinses um einen halben Prozentpunkt. Am nächsten Dienstag treffen sich Fed-Chef Bernanke und seine Kollegen. Dann könnte es so weit sein. Es wäre die dritte Senkung innerhalb weniger Monate. Billiges Geld gilt als eine der wenigen Möglichkeiten, um ein Abgleiten in die Rezession zu verhindern und Schlimmeres für das Finanzsystem abzuwenden.

Die Sorgen wachsen. Der Bank Credit Analyst, eines der angesehensten Researchhäuser in den USA, hat sich jetzt in die laufende Debatte eingemischt - was äußerst selten passiert. Das Team um Martin Barnes rät den Notenbankern sogar zu mehreren Zinssenkungen im kommenden Jahr. Der Rat an die Aktienbesitzer ist eindeutig: Gewinne mitnehmen. Noch zeigen sich die Börsen erstaunlich resistent gegenüber den wachsenden Problemen, so dass für Verkäufe noch Zeit bleibt.

Auch Woody Brock, Leiter der Beratungsfirma Strategic Economic Decisions, hat sich jetzt bei den Skeptikern eingereiht. Die Unsicherheit über die Bewertung der praktisch unhandelbaren forderungsbesicherten Anleihen ist weit größer als bisher gedacht. Um es mit Brocks Worten zu sagen: Sie übersteigt sogar die schlimmsten Befürchtungen unter den Experten. Der Stratege fragt sich, ob überhaupt noch ausreichend Spielraum besteht, um eine harte Konjunkturlandung abzuwenden.

Die Fakten erscheinen allzu deutlich: Noch im gesamten kommenden Jahr stehen jeden Monat etwa 20 bis 30 Mrd. Dollar an heiklen amerikanischen Hypothekendarlehen (Subprime) zur Umschuldung zu dann höheren Zinsen an. Nach Schätzung der Notenbank dürfte eine halbe Million Amerikaner den höheren Kapitaldienst nicht zahlen können; die Zwangsversteigerung ihrer Immobilien scheint unausweichlich. Die Immobilienpreise könnten bis zu 20 Prozent gegenüber ihren Höchstständen im vergangenen Jahr fallen, in Großstädten um bis zu 35 Prozent. Das Konsumentenvertrauen schwindet mehr und mehr.

In den nächsten Monaten ist Kapitalerhalt oberstes Gebot. Kein Geld zu verlieren wird zur echten Herausforderung. Die Null wird zu Messlatte. An ihr werden sich die erfolgreichen von den weniger erfolgreichen Anlegern scheiden. Gewinner sein heißt: die nächste Zukunft verlustfrei zu überstehen. Dazu bietet sich ein Mix aus sicheren kurzfristigen Zinspapieren, wenigen ausgesuchten Aktien und ausgewählten Rohstoffen an.

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