Bulle & Bär
Finanzkrise: Schmerzhafte Lehren

Nach einer Börsenkrise ist man häufig ärmer an Geld und reicher an Erfahrung. Also versuchen wir, ein paar Lehren aus dem Chaos an den Märkten zu ziehen. Denn die Krise stellt gängige Regeln für die langfristige Anlage infrage.

DÜSSELDORF. Zum Beispiel die Aussagen, dass Aktien langfristig besser sind als Anleihen, dass man sein Vermögen auf möglichst viele Bereiche verteilen soll, und dass es besser ist, Aktien liegen zu lassen, als ständig ein- und auszusteigen. Alle diese Aussagen sind nicht auf einmal falsch, aber sie treffen nur noch mit Abstrichen zu.

Beginnen wir mit dem Thema Ein- und Aussteigen. Es stimmt schon: Wer zu hektisch handelt, macht nur die Bank reich. Außerdem ist die Gefahr sehr groß, bei hohen Kursen gierig ein- und bei tiefen Kursen frustriert auszusteigen. Die Mehrheit der Anleger macht das so - daraus resultieren die großen Kursbewegungen. Auf der anderen Seite: Vor einem Jahr war deutlich, dass die Aktienbörse die Probleme an den anderen Finanzmärkten ignoriert. Da wäre es besser gewesen, den Aktienanteil wenigstens herunterzufahren. Und heute ist es ziemlich deutlich, dass die Kurse sehr niedrig sind. Das spricht dafür, bis Jahresende, bevor die Abgeltungsteuer greift, Aktien zuzukaufen.

Dass Aktien langfristig mehr bringen als Rentenpapiere, ist auch nur eingeschränkt richtig. Es stimmt allenfalls, wenn man wirklich frei ist, die Aktien zu einem günstigen Zeitpunkt zu verkaufen. Es stimmt nicht unbedingt, wenn man irgendwann viel Geld auf einen Schlag braucht. Die Börsenbewegungen sind so stark geworden, dass es einen in diesem Fall ganz böse erwischen kann.

Die Regel, das Vermögen zu verteilen, ist zwar richtig. Aber die Krise zeigt wieder einmal, dass im schlimmsten Fall fast alle Märkte heruntergehen. Das Verteilen federt also das Risiko bestenfalls etwas ab, mehr nicht. Dafür hat sich gezeigt, dass die Verteil-Regel im Zertifikatebereich auch bedeutet: das Risiko auf mehrere Emittenten verteilen. Zu häufig haben Zertifikate-Käufer (und ihre Berater) nur die Marktrisiken gesehen und verkannt, dass die Papiere nur von einer einzigen Bank garantiert werden.

Die Krise zeigt aber insgesamt, dass Kleinanleger häufig flexibler reagieren können als Großinvestoren. Denn die müssen, wegen ihrer Statuten, Stresstests oder aus Angst vor dem nächsten Quartalsbericht oft genau das tun, was Geld kostet: bei Tiefstkursen verkaufen.

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