Bulle & Bär
Finanzmärkte: Think positive!

Wer Krisen kennt und sich intensiv mit deren Ursachen, Abläufen und Folgen beschäftigt, der verfällt nicht in Panik. Was die Finanzmärkte gegenwärtig erleben, ist Vergangenheitsbewältigung - nichts anderes.

FRANKFURT. Praktisch seit mehr als einem Jahr war klar, dass im Verlaufe dieser das Welt-Finanzsystem erschütternden Finanzkrise zahlreiche Opfer am Wegesrand aufzulesen sein würden. Dass darunter auch wirklich prominente Namen sein würden, war zu vermuten. Denn der vergangene wirtschaftliche Erfolg einstiger Highflyer der Finanzszene war auf von exzessiver Risikobereitschaft geprägten Geschäftsmodellen aufgebaut. Heute zeigt sich die Unfähigkeit dieser Akteure beim Umgang mit solchen Risiken.

Lehman Brothers ist eines dieser Opfer mit populärem Namen und traditionsreicher Vergangenheit in Wall Street. Nach Bear Stearns droht damit ein weiterer großer Name im Haifischbecken Investmentbanking zu verschwinden. Das Gute an Krisen ist deren Fähigkeit zur schonungslosen Offenlegung von Schwächen und dementsprechend auch zur Bereinigung ungesunder Situationen. In einem solchen Umfeld haben die Schwachen keine Chance zum Überleben, während die Starken weiter gestärkt in die Zukunft gehen.

Heute fragen sich die Marktakteure, ob die Bank of America künftig zu jenen Top-Banken zählen wird. Wenn das Institut jetzt bereit ist, für die Übernahme von Merrill Lynch ein Aufgeld von rund 70 Prozent gegenüber dem letzten Börsenkurs zu zahlen, so sollte das auch als ein Beweis für eine Menge Vertrauen herhalten. Vorausgesetzt, das Management der Bank of America schätzt die Lage der Finanzmärkte auf der einen und die finanzielle Situation von Merrill Lynch auf der anderen Seite richtig ein. Wenn dem so ist, dann bedeutet das auch, dass die Märkte in der Bewertung von Wertpapieren sehr stark nach unten übertrieben haben.

Was auf Seiten der Beteiligten in der Finanzwelt noch riesige Sorgen bereitet, ist vor allem die Angst vor dem Reißen von Wertketten innerhalb des Banken- und Finanzsystems und in dessen Folge dann vor dem Zerbersten von Träumen und der Hoffnung auf eine Stabilisierung der Lage. Solche Ängste um die Stabilität des globalen Finanzsystems versuchen die Notenbanken durch eine Überflutung der Märkte mit Liquidität zu entkräften. Hier hat man erkannt, dass die Märkte vor allem von zwei Einflüssen abhängig sind: Von Liquidität auf der einen und vom Faktor Stimmung auf der anderen Seite. Dies sind jene Elemente, die die Trendwende an den internationalen Börsen einleiten werden.

Die zuletzt von Notenbanken konsequent verfolgte geldpolitische Offensive zielte darauf, die zeitweise gestörte Funktion der Finanzmärkte zu gewährleisten und das erschütterte Vertrauen in die Funktion der Märkte wieder herzustellen. Wenn richtig ist, dass die zurzeit im Schockzustand befindlichen Aktienbörsen verlässlicher Indikator für die Zukunft der Globalökonomie und des Welt-Finanzsystems sind, dann wird die Finanzkrise die Schlagzeilen noch für einige Zeit bestimmen. Zu befürchten ist in diesem Kontext auch, dass es möglicherweise noch weitere Opfer geben wird.

Doch die Börse hat über mehr als ein Jahrhundert hinweg die Fähigkeit nachgewiesen, den ökonomischen Status quo zu ignorieren und die Zukunft zu handeln. Dies wird auch in diesem Zyklus so sein. Ein Ende der Krise (der Vergangenheit also) und eine bessere Zukunft wird die Börse schon bald durch höhere Kurse vorwegnehmen.

Dieser Optimismus wird gestützt durch Zahlen über in US-Geldmarktfonds geparktes Geld. Aus den USA wird berichtet, dass das in diesen Fonds verwaltete Kapital neue Rekordhöhen erreicht hat. Dieses Kapital wird bei Signalen über das Krisenende vor allem in Aktien fließen. Zeit also für positives Denken.

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