Bulle & Bär
Finger weg von Fußball-Aktien!

Fußballaktien sind ein riskantes Spiel. Das zeigen auch die Wertpapiere der italienischen Vereine. Sie volatil zu nennen, wäre gelinde ausgedrückt. Die Anleger, die beim Börsengang – oft aus Treue zum eigenen Club – zugriffen, haben jede Menge Geld verbrannt. Der jüngste Fußballskandal hat das Bild in Italien nur verschlimmert und bei den Anlegern Herzrasen ausgelöst.

MAILAND. Nach der Verkündung des Sport-Urteils der zweiten Instanz am Dienstag- abend ging die Juventus-Aktie am nächsten Tag auf Talfahrt und wurde vom Handel ausgesetzt. Anscheinend hatten einige Anleger tatsächlich gehofft, dass ihr Verein trotz der massiven Manipulationen in der italienischen Eliteliga - Serie A - bleiben dürfte. Am Donnerstag erholte sich der Titel dann wieder leicht. Lazio Rom, ebenfalls vom Skandal betroffen, aber in zweiter Instanz doch noch in die Serie A zurückgehievt, machte am Mittwoch einen deutlichen Sprung nach oben.

Dennoch bleiben die Aktien über die Jahre hinweg eine Enttäuschung. Der Vorreiter der börsennotierten Vereine, Lazio Rom, ging 1998 zu einem Preis von 3,05 Euro an die Börse. Heute liegt das Papier bei 44 Cent. AS Rom, 2000 zu knapp sechs Euro an die Börse gekommen, liegt mittlerweile unter 90 Cent. Und auch der einstige Erfolgsverein Juventus, der Dritte im Bunde, kann keine tolle Performance bieten: Die schwarz-weißen Titel kosteten 2001 noch 3,70 Euro, am Donnerstag waren es noch 1,60 Euro.

Das Problem bei den Kicker-Aktien ist vor allem, dass sie wenig mit rationalem Anlegerverhalten zu tun haben. Da häufig Fußballfans die Aktien im Streubesitz halten, richten sich die Kurse eher nach Anzahl der Tore als nach den tatsächlichen Bilanzen der Vereine. Und die Clubs lassen sich von den Anlegern nur ungern in die Karten schauen. Transparenz ist bei Fußballaktien ein Fremdwort.

Selbst die italienische Börsenaufsicht Consob informieren die Vereine nur unzulänglich. Als etwa im Zuge des jüngsten Fußballskandals klar war, dass Juventus voraussichtlich aus der ersten Liga absteigen werde, ließ es der Turiner Club bei der lapidaren Erklärung, ein Abstieg werde wirtschaftliche Folgen haben.

Die Consob selbst hat auf Grund der miserablen Informationspolitik der Vereine versucht, die Hauptaktionäre in Einzelgesprächen davon zu überzeugen, den Streubesitz zurückzukaufen und so die Aktie von der Börse zu nehmen. Das Problem dabei: Die Hauptaktionäre wollen kein Geld auf den Tisch zu legen.

Für die Besitzer der Vereine ging die Rechnung jedenfalls auf. Sie haben bei den Börsengängen erhebliches Kapital in die eigene Kasse gespült. Die Anleger haben das Nachsehen. Doch eine Alternative bleibt den Tifosi: Wer unbedingt auf seinen Verein wetten will, kann bei den Online-Wetthäusern auf einzelne Spiele setzen. Allerdings weiß man gerade in Italien auch dabei oft nicht, worauf man sich einlässt !

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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