Bulle & Bär
Firmenanleihen: Gefahr von gleich zwei Seiten

Die Argumente für eine Korrektur bei Aktien lassen sich auch auf Anleihen der Unternehmen übertragen. Die sind nämlich schon seit Jahresanfang bei Investoren - auch Privatanlegern - extrem gefragt, und immer mehr Strategen befürchten, dass auch den Firmenbonds die Puste ausgeht.

FRANKFURT. Im Schnitt sind die Kurse von auf Euro lautenden Anleihen der Unternehmen seit Jahresanfang von 94,6 auf 105,2 Prozent gestiegen. Die Renditen sanken im Umkehrschluss nach Indizes von Merrill Lynch von 6,2 auf 3,8 Prozent. Kursgewinne und Zinseinnahmen summieren sich auf einen Gesamtertrag von 13,6 Prozent - und damit einen Rekordwert seit Einführung des Euros.

Dass es so gut für die Firmenbonds nicht weitergehen kann ist offensichtlich. Die Investoren sind mit Blick auf die Konjunktur inzwischen sehr zuversichtlich - die Gefahr von Rückschlägen spielt in den Anleihebewertungen kaum noch eine Rolle. Dabei ist voraussichtlich gerade mal die Rezession überwunden, und auch das nur durch die massiven Konjunkturpakete der Staaten und die Liquiditätsspritzen der Notenbanken. Ein nachhaltiger Aufschwung sieht anders aus.

Doch selbst wenn die Konjunktur wieder ohne große Rückschläge Tritt fasst, kann das den Anleihen von Unternehmen schaden. Denn dann dürften die als ausfallsicher gelten Staatsanleihen in der Gunst der Investoren weiter sinken. Bislang sind die Renditen von lang laufenden Staatsbonds - allen Konjunkturhoffnungen zum Trotz - nur relativ leicht gestiegen. Dies dürfte sich spätestens dann ändern, wenn Investoren wieder Leitzinserhöhungen der Notenbanken erwarten. Steigende Renditen der Staatsanleihen ziehen auch Renditen der Unternehmensanleihen nach oben. Denn wenn Investoren für von der Ausfallgefahr her risikolose Staatsanleihen höhere Renditen bekommen, werden Firmenbonds unattraktiver. Folglich müssen auch die Renditen der Unternehmensbonds steigen.

Den Zinspapieren von Unternehmen drohen somit sowohl bei einer schlechten als auch einer guten Konjunkturentwicklung Kursverluste. Für Anleger sind die teuer gewordenen Bonds derzeit keine gute Wahl.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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