Bulle & Bär
Firmenbonds ohne Reiz

Unternehmensanleihen haben ihren Charme verloren. In den vergangenen drei Jahren haben Zinspapiere von europäischen Unternehmen den Anlegern hohe Gesamterträge gebracht.

HB FRANKFURT. Kursgewinne und Zinsen von Firmenbonds mit einem Rating innerhalb des vergleichbar sicheren Investment-Grade summierten sich pro Jahr auf Erträge um die sieben Prozent. In diesem Jahr sind jedoch die Kurse von Unternehmensanleihen leicht gefallen. Das zehrt an den Zinsscheinen. Insgesamt erwirtschafteten Anleger deshalb mit den Euro-Bonds in diesem Jahr nur noch gut drei Prozent Ertrag.

Im nächsten Jahr könnten unter dem Strich sogar Verluste herauskommen. Die Landesbank Baden-Württemberg prognostiziert für das kommende Jahr ein Minus von 2,5 Prozent. Auch andere Banken wie BNP Paribas, die Hypo-Vereinsbank oder JP Morgan sind vorsichtig und raten dazu, Unternehmensanleihen im Depot unterzugewichten.

Privatanleger, die Anleihen meist bis zur Fälligkeit halten, brauchen die Kursentwicklungen zwar im Prinzip nicht zu stören. Aber rote Zahlen in der Performance-Statistik des eigenen Depots belasten zumindest psychologisch, auch wenn man darauf setzt, die Anleihen am Ende der Laufzeit zum Nennwert von 100 Prozent zurückzubekommen und nur mit der beim Kauf gesicherten Rendite rechnet.

Außerdem lässt sich auch für Privatanleger aus den Warnungen der Profis schließen, dass es jetzt eine ganz schlechte Zeit ist, um Unternehmensanleihen zu kaufen. Das durchschnittliche Renditeplus von gut einem halben Prozentpunkt im Vergleich zu Staatsanleihen ist einfach mager. Wer jetzt einen Bond erwirbt, ärgert sich vielleicht in einem Jahr, wenn die Kurse von Bonds niedriger sind und sich deshalb höhere Renditen sichern lassen.

Für Renditeanstiege der Unternehmensbonds sprechen im Prinzip zwei Gründe. Ein Risiko für die Firmenpapiere ist, dass die immer noch historisch niedrigen Renditen der Staatsanleihen weiter steigen. Wenn Investoren für Staatspapiere am Ende nächsten Jahres vielleicht schon knapp vier Prozent Rendite bekommen, werden sie sich nicht mehr so viele Unternehmensrisiken ins Portfolio legen.

Die andere Gefahrenquelle liegt bei den Unternehmen selbst. Sie sollten zwar auch im nächsten Jahr noch gut verdienen, aber sie verwenden die Gewinne nicht mehr vornehmlich zum Schuldenabbau. Der beständige Rückgang der Schulden war in den vergangenen Jahren einer der Treiber der steigenden Bondkurse. Stattdessen setzen die Firmen jetzt wieder mehr darauf, die Aktionäre glücklich zu machen: Sie zahlen höhere Dividenden, kaufen eigene Aktien zurück und übernehmen Konkurrenten. Dadurch reduzieren sie entweder ihre liquiden Mittel oder erhöhen sogar wieder die Verschuldung. Das macht Anleihestrategen zu Recht Sorgen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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