Bulle & Bär
Flexibel mit Floatern

FRANKFURT. Variabel verzinste Anleihen sind am Kapitalmarkt der große Hit. Im ersten Quartal kamen neue so genannte Floating Rate Notes – kurz Floater – über 137 Milliarden Euro auf den Markt und damit so viele wie nie zuvor. Seither ist der Strom der Emissionen nicht abgerissen, und gerade professionelle Investoren greifen begierig nach den Papieren.

Der Floater-Boom ist im Umfeld steigender Kapitalmarktzinsen kein Wunder. Während die Kurse von Festzinsanleihen im vergangenen halben Jahr stark gefallen sind und die Zinserträge aufgezehrt haben, halten sich die Kurse der Floater stabil. Das liegt in der Natur der Sache, weil die Zinsscheine dieser Anleihen meist alle drei Monate an einen Geldmarktsatz wie den dreimonatigen Euribor angepasst werden, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Der Euribor ist seit Ende November von 2,45 auf 2,90 Prozent gestiegen. Ein Grund dafür sind die Leitzinserhöhungen der Notenbanken, deren Ende noch nicht abzusehen ist.

Die meisten variabel verzinsten Anleihen bieten einen Aufschlag auf den Euribor. Bei Banken, die den Großteil der Floater begeben, liegt dieser Aufschlag bei etwa 0,2 Prozentpunkten. Mehr gibt es bei variablen Zinspapieren von Industrieunternehmen. Weniger attraktiv sind dagegen zinsflexible Pfandbriefe oder Floater von staatsnahen Institutionen wie der KfW Bankengruppe, die mit einem Abschlag zum Euribor rentieren.

Die kursstabilen Floater eignen sie sich vor allem für Anleger, die Anleihen vor dem Ende der Laufzeit verkaufen wollen. „Angesichts des gestiegenen Euribors sind Floater inzwischen eine attraktive Alternative zum Tages- oder Festgeld“, sagt Carsten Ringler von dem auf Floating Rate Notes spezialisierten Wertpapiermakler Tass.

Privatanleger, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten wollen und sich deshalb um zwischenzeitliche Kursverluste nicht scheren, müssen sich jedoch gut überlegen, ob sie variabel verzinste Anleihen kaufen. Denn natürlich hat die Flexibilität ihren Preis. So bietet zum Beispiel ein in knapp drei Jahren fälliger Floater der Deutschen Telekom aus heutiger Sicht eine Rendite von 3,08 Prozent. Ein vergleichbarer Festzinsbond der Telekom rentiert dagegen mit 3,80 Prozent. Investoren lassen sich mit dem variablen Papier derzeit also gut 0,70 Prozentpunkte Rendite entgehen. Damit sie am Ende der Laufzeit mit dem Floater mindestens genau so gut dastehen wie mit der Festzinsanleihe müsste der Euribor kräftig steigen, um die Renditeeinbuße auszugleichen. Das ist indes nicht abzusehen. Zudem funktioniert der Mechanismus auch umgekehrt. Wenn der Euribor sinkt, verringern sich die Floater-Kupons.

Beachten sollten Anleger außerdem, dass auch die Kurse der Gleitzinsbonds fallen können. Das passiert vor allem dann, wenn sich die Kreditwürdigkeit des Emittenten verschlechtert, also die Ausfallgefahr steigt.

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