Bulle & Bär
Flucht ins Bargeld

"Von jetzt an werde ich nur so viel ausgeben, wie ich einnehme, selbst wenn ich mir dafür Geld borgen muss.“ Dieser Satz ist vom amerikanischen Schriftsteller Mark Twain überliefert.

FRANKFURT. Das Schmunzel-Statement ist für Börsianer hochaktuell, denn Trends bei Geldmengen und Kreditschöpfung erklären die gegenwärtigen Turbulenzen an den Börsen.

Ein Kursaufschwung braucht Geld oder Kredit, denn die Aktien müssen ja gekauft werden. Das war nie ein Problem. Dafür sorgten über viele Jahre die Notenbanken mit lockerer Geldpolitik. Die Zeiten ändern sich. Bei den Zinsen hat die Klettertour schon begonnen. Das exorbitante Geldmengen- und Kreditwachstum ist manchen Bankern unheimlich geworden. So ist in China und Indien jetzt eher vom Bremsen die Rede. In den USA scheint zumindest die rapide Geldmengenausweitung an Schwung zu verlieren.

Eine wichtige Rolle spielt Japan. Großinvestor George Soros macht den Liquiditätsentzug der japanischen Notenbank von 200 Milliarden Dollar mitverantwortlich für die seit Mitte Mai fallenden Aktienkurse und Rohstoffpreise. Für den bekannten Hedge-Fonds-Manager ist das ein Mosaikstein im Gesamtbild eines schwierigeren globalen Börsenumfeldes: Die Inflation steigt, und die US-Konjunktur droht abzurutschen, weil der überhitzte Häusermarkt erste Schwächen signalisiert.

In nächster Zukunft sollte demnach das frische Geld weniger üppig sprudeln. Deshalb dürften die Märkte höchstens seitwärts tendieren. Risikoreichere Segmente wie Nebenwerte, Schwellenländerbörsen, deren Währungen und teilweise Rohstoffe sind am stärksten gefährdet. Das zeigten schon die vergangenen Wochen. Die Börsen in Russland, Indien und im Nahen Osten zählten zu den größten Verlierern.

Auf mittlere Sicht dürfte US-Notenbankchef Ben Bernanke aber wieder aufs Gas treten. Das Szenario: Die ohnehin überschuldeten Verbraucher kommen bei sinkenden Immobilienpreisen und steigenden Zinsen sowie Ratenzahlungen für ihre Häuser in Geldnot, schränken den Konsum ein und würgen dadurch die Konjunktur ab. Bernanke muss dann den Kollaps vermeiden, dazu Liquidität in die Wirtschaft pumpen und die Zinsen senken.

Vorübergehend wäre wieder besseres Börsenwetter angesagt. Aber das amerikanische Problem der rasant wachsenden Verschuldung und Kreditausweitung bei steigender Inflation bliebe ungelöst. Langfristig sind daher die Perspektiven eher schlecht, auch für den Dollar. So denkt Soros. Der Ungar legt den Anlegern daher hohe Cashbestände ans Herz.

Insoweit ist das Halten von Bargeld wahrscheinlich die ultimative Strategie zur Verlustvermeidung. Oder wie Mark Twain mit einem Augenzwinkern sagen könnte: Cash war schon immer das beste Absolute-Return-Konzept. Wobei Finanzjongleure, die derartige Ansätze unter Einsatz von komplexen Derivaten umsetzen, sicher beleidigt aufschreien würden.

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