Bulle & Bär
Fonds machen Boden gut

Viele aktive Aktienverwalter haben im Jahr 2009 ihre Vergleichsindizes geschlagen. 2008 sah das noch ganz anders aus. Nur ein Strohfeuer oder können die aktiven Verwalter wieder guten Gewissens um Kundengelder buhlen?
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FRANKFURT. Sie rufen Hurra! Der Jubel kommt von den „aktiven“ Geldverwaltern. Im vergangenen Jahr noch zu Tode betrübt, können sie sich jetzt wieder selbstbewusst auf die Brust klopfen. Eine vorläufige Abrechnung für 2009 zeigt: Viele aktive Aktienverwalter haben ihre Vergleichsindizes geschlagen. Das hat die Researchfirma Fonds Consult in München ausgerechnet. 2008 sah das noch ganz anders aus.

„Aktiv“ heißt, dass die Fondsmanager durch Einzeltitelauswahl, Branchen- oder Ländergewichtungen ihre Messlatten, die Indizes, zu schlagen versuchen. Das Gegenmodell heißt „passiv“. Hier folgt die Fondsstruktur stur einer Indexzusammensetzung. Solche Indexfonds sind in den vergangenen Jahren überaus populär geworden, auch deshalb, weil viele Investoren mit den Leistungen ihrer aktiven Verwalter unzufrieden waren.

Aber 2009 bringt die Wende. Für Rüdiger Sälzle von Fonds Consult ist es das Jahr der aktiven Manager. In vielen wichtigen Anlageklassen glänzen die Aktienstrategen mit überlegenen Leistungen. Häufig liegen die Fondskapitäne so weit vor ihren Indizes wie in keinem Jahr des Jahrzehnts.

Einige nackte Zahlen: Bei den deutschen Aktienfonds haben 84 Prozent der Manager die Messlatte MSCI Germany geschlagen, nach 62 Prozent im Vorjahr. Unter den globalen Aktienfonds sind es 60 Prozent, nach nur 28 Prozent im Vorjahr. Auch für die Märkte in den USA und Japan fallen die Zahlen entsprechend aus.

Ist das nur ein Strohfeuer oder können die aktiven Verwalter wieder guten Gewissens um Kundengelder buhlen? Ein einzelnes Jahresergebnis ist die eine Sache, das langfristige Ergebnis eine andere. Und mit zunehmender Abrechnungsperiode sinkt die Erfolgsquote. Insoweit darf man die Resultate nicht überinterpretieren. Experten wie Sälzle sprechen von einer Normalisierung nach dem Katastrophenjahr 2008. Viele Aktienfonds rauschten in die Tiefe. Im laufenden Jahr schlug das Pendel zurück. Viele krisengeschüttelte Fonds mit hohen Anteilen an Banktiteln profitierten von den massiven Kursgewinnen der Werte.

Die Grundsatzentscheidung für einen Anleger aber bleibt die gleiche: Entweder will er Markterträge erzielen, dann kauft er einen Indexfonds. Oder er wählt einen aktiven Manager, weil er an dessen Talent zur Erwirtschaftung einer Mehrrendite glaubt – mit dem Risiko eines Minderertrags gegenüber dem Index.

Der Anleger kann aber versuchen, dieses Risiko möglichst klein zu halten. Er sollte Verwalter mit langjähriger Erfolgsbilanz suchen, die ihre Fähigkeiten in der Hausse und in der Baisse bewiesen haben.narat@handelsblatt.com

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  • Hallo,

    ich glaube nicht, dass es den Fond Managern gut ansteht, überhaupt nicht in Jubel auszubrechen. immerhin sind Fonds ja nicht unbedingt als Tagesgeschäft gedacht, so dass eine momemtane besserung wohl selbstverständlich ist. Viel interessanter ist es, sich den langjährigen Durchschscnitt anzuschauen. Dass Fonds gerne prahlen, wie erfolgreich sie sind, habe ich am eigenen Leib erfahren müssen. Als langjähriger Deutsche bank Kunde war man nicht gut beraten, sich
    im DWS bonus Aktiv zu beteiligen. Gestartet Mitte 2008 mit € 125.000, zwischzeitlich abgesackt auf € 55.000 und seit einem halben Jahr um die € 80.000 dümpelnt ... starke Performance. Angeblich soll dieser Fond auch aktiv gemanagt worden sein; nur womit ? Die Fond Manager sollen erstmal ihre Hausaufgaben machen und den Anlegern ihr Geld zumindest ansatzweise zurückbringen, bevor sie sich in Champagnerlaune wieder ihrer toller Tagesleistung zuwenden.

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